Hilfe, meine Kinder siezen mich!

"Möchten Sie ein Eis?" "Wollen Sie Schokolade oder Vanille? Wir haben auch Schlumpfeis." "Möchten Sie eine Waffel oder einen Becher?" Meine Jungs haben den Wäscheständer mit ein paar Decken behangen, zwischen uns ein Turm aus Kissen, der als Theke fungiert. Wir spielen Eisladen im heimischen Wohnzimmer, während draußen der Regen gegen die Scheiben klatscht. "Soll ich Ihnen noch Streusel oben drauf tun?" Im ersten Moment bin ich etwas sprachlos, später belustigt über diese Anrede, jene gewählte Förmlichkeit, die der Große mir gegenüber anschlägt und in die der Kleine bald mit einstimmt. Read more

Auf-Geben

Es dreht sich ums Geben am Dreikönigstag. Vielleicht gehört das Aufgeben aber auch irgendwie dazu, selbst wenn dies vor allem ein Geschenk an uns selbst sein kann. Die selbstgewählte oder erzwungene Opulenz der Weihnachtstage hat uns gesättigt. Möglicherweise hat der Überfluss uns auch eine Art Übelkeit beschert, aus der wir nur herausfinden, wenn wir anfangen, Ballast abzuwerfen. Read more

Die stille Kraft zwischen den Jahren

Die Tage vor dem Jahreswechsel besitzen ihre ganz eigene Dynamik. Nach mehr oder minder turbulenten Adventswochen und belebten Weihnachtstagen wird es stiller in uns. Die Aussicht auf das Jahresende macht uns nachdenklich und wenn wir es zulassen, finden wir in uns einen Raum, in dem wir das Vergangene reflektieren können, um es aufzugeben oder Dinge zu verändern. Read more

Ist wirklich schon wieder Dezember?

Da liegt er vor mir, dieser neue Monat, wie ein weites Feld, das ich noch bestellen muss, um alle Kargheit, die sich bedrohlich anfühlen könnte, aufzulösen. In meinem Kopf rattert eine To-Do-Liste auf und ab. Die setzt sich zum größten Teil aus Geschenkideen und deren Verwerfungen zusammen. Ich kalkuliere - im Sinne der Gleichberechtigung, ich überschlage und füge meine Überlegungen wie Puzzlestücke zusammen, in der Hoffnung, das ein schönes Bild daraus entstehen wird... bis ich merke, dass mich das alles von den wirklich schönen Bildern ablenken will.  Read more

Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen und hol dir deine Freude zurück

Früher habe ich diese Mütter, die jeden Tag der Woche nach der Arbeit etwas für ihre Kinder geplant hatten, für ihre schier unerschöpfliche Energie bewundert. Am Montag Kinderturnen, am Dienstag ein Treffen mit Freundin A und deren Kindern, am Mittwoch Zoo, Donnerstag der Schwimmkurs, Freitag mit Freundin B und ihrem Sohn zum Eisessen und abends allein mit Freundin C ins Kino. Samstags geht man mit der Familie in die Stadt zum Shopping und Sonntag lädt man ein paar Bekannte zu sich in den Garten zum Grillen ein. Ist das nicht beeindruckend? Ich bin schon erschöpft, wenn ich diese Woche mit all den Aktivitäten nur durch meinen Kopf rattern lasse. Schiebt man allerdings jenen scheinbar unermüdlichen Antrieb dieser Superfrauen einmal beiseite und schaut bewusst in deren Gesichter, vielleicht sieht man dann auch etwas anderes - eine Spur von Verlorenheit und die ewige Frage, ob man gut genug ist für all das, gut genug für das Leben. Read more

Wenn erwachsene Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen – Schritte zur Heilung

Immer wieder lese ich von Kontaktabbrüchen zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern. Vera, 42 Jahre, hält es nicht mehr aus, dass ihre Mutter sie ständig bevormundet, obwohl sie längst selbst verheiratet ist und eigene Kinder bekommen hat. Markus konnte es seinem Vater nie Recht machen. Statt lobenden Worten hörte er stets nur Kritik. Markus fühlt sich auch heute noch nicht gut genug, obwohl er inzwischen erfolgreich eine eigene Firma leitet. Natalies Mutter flieht vor jedem Konflikt mit ihrer Tochter. Ihr Missfallen zeigt sie Natalie mit Schweigen. Sie spricht lieber mit Außenstehenden über die Probleme in der Mutter-Tochter-Beziehung als sich mit Natalie an einen Tisch zu setzen. Andreas Vater redet ständig nur von sich, bauscht jede Sorge auf und verliert sich in Negativität. Andrea fühlt sich überhaupt nicht wahrgenommen. Das sind nur einige Beispiele, die eine ungesunde Beziehung zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern zeigen. Es sind die Schatten der Vergangenheit, die sich auf die Gegenwart gelegt haben und auch fortbestehen werden, wenn die alten Muster nicht gelöst werden. Read more

Falsche Erwartungen aufgeben – schwierige Beziehungen entlasten

"Ich habe gedacht, du würdest dich eher mal melden!" "Das hättest du ruhig anders sagen können. Ich dachte, du liebst mich!" "Nie, nie hätte ich gedacht, dass du dich mal so verhalten würdest!" "Warum hast du denn bloß keine Zeit dafür?" "Alles andere scheint dir ja wichtiger zu sein." "Ich bin so unendlich enttäuscht von dir!"  Den einen oder anderen Satz haben wir vielleicht schon mal gehört. Vielleicht haben wir ihn auch selbst gedacht. Wir fühlen uns verletzt oder verletzten einander, weil wir eine Erwartung haben oder mit Erwartungen konfrontiert werden, die nicht erfüllbar sind. Grenzüberschreitungen unter Verwandten, Freunden, Liebenden, Kollegen und Nachbarn, Grenzüberschreitungen, bei den wir uns nicht wohl fühlen, werden eingefordert oder wir fordern sie ein, damit es uns in irgendeiner Weise besser geht, den anderen aber durchaus belasten oder überfordern kann. Meist ist die Erwartung von vornherein mit einer Enttäuschung verknüpft. Entsteht sie doch aus einem Verlangen, welches das Gegenüber in eine Pflicht nimmt. In der Erwartung steckt nicht die liebevolle Botschaft eines Wunsches oder einer Bitte. Die Erwartung berechnet und sie rechnet ab. Sie macht unfrei. Denn mit Erwartungshaltungen drängt man sich selbst in die Opferrolle. Read more

Mit Ängsten umgehen – Der Säbelzahntiger im Kopf

Das Empfinden von Angst schützt uns seit jeher vor Gefahren. Allerlei körperliche Reaktionen folgen dem Gefühl der Bedrohung. Bei den meisten klopft das Herz schneller, andere fangen an zu schwitzen und zu zittern oder reagieren mit Übelkeit. Der Mund wird trocken. Die Brust schmerzt. Es sind die natürlichen Symptome mit denen der Körper antwortet, um mehr Energie für Flucht aus dem Gefahrenszenario oder für den vermeintlichen Kampf bereit zu stellen. Der beschleunigte Herzschlag regt die Durchblutung der Muskulatur an. Das Zittern dient der Anspannung der Skelettmuskulatur und bereitet auf die körperlich Aktivität vor. Uns wird übel, weil die Verdauungsfunktion gehemmt wird, denn die Energie wird an anderer Stelle gebraucht. Das alles sind ganz normale Reaktionen des Körpers - seit Urzeiten, als wir einzig mit Fellen bekleidet und mit Knüppeln bewaffnet durch Wälder und Steppen zogen. Read more