Kranke Kinder und der Trost von Apfelkuchen

Das kleine Kind hat Fieber. Es will nicht essen. Es will nicht spielen. Es will nicht schlafen. Die Wadenwickelei strengt das Kind an und gegen das Zäpfchen in den Po protestiert es lautstark, rotwangig und tränennass. Ich flüstere Worte, streichle die Stirn, küsse die Wange, trockne die Tränchen und blättere die Bilderbücher, Seite um Seite, erzähle Geschichten von einer kleinen Hexe, Tieren auf dem Bauernhof, einem Jungen, der gern Fußball spielt und einer Zugfahrt zur Oma. Das kleine Kind schläft, weniger rotwangig und mit viel mehr Frieden im Gesicht. Ich schleiche mich davon. In der Küche koche ich mir einen Tee und starre vorwurfsvoll den Ahornbaum vor meinem Fenster an, dessen Blätter sich immer noch nicht gelb färben wollen. Dabei haben wir schon Mitte Oktober. Ich kann mit Krankheiten nicht gut umgehen. Es reißt und zerrt an meinen Nerven, wenn die Kinder krank sind. Immer ist die Angst da, dass ich nicht helfen kann, dass nichts genug ist, was ich zu geben vermag, dass ich nicht reiche als Mutter. Read more