Sprachkultur

"Möchten Sie ein Eis?" "Wollen Sie Schokolade oder Vanille? Wir haben auch Schlumpfeis." "Möchten Sie eine Waffel oder einen Becher?" Meine Jungs haben den Wäscheständer mit ein paar Decken behangen, zwischen uns ein Turm aus Kissen, der als Theke fungiert. Wir spielen Eisladen im heimischen Wohnzimmer, während draußen der Regen gegen die Scheiben klatscht. "Soll ich Ihnen noch Streusel oben drauf tun?" Im ersten Moment bin ich etwas sprachlos, später belustigt über diese Anrede, jene gewählte Förmlichkeit, die der Große mir gegenüber anschlägt und in die der Kleine bald mit einstimmt. Read more

Gegen den Druck: Achtsamkeit als Pflichtfach an Englands Schulen

Die Ursachen für die Entstehung sind selbstredend fatal. Immer mehr Schüler leiden an psychischen Problemen. Leistungsdruck, Stress, überhöhte Ansprüche und Erwartungshaltung begünstigen die Entstehung von Ängsten und Depressionen bei jungen Menschen, die eigentlich sorgsam beim Wachsen begleitet werden müssen. England hat hier die Reißleine gezogen und führte im vergangenen Jahr das Pflichtfach Achtsamkeit ein. Die Resonanz ist überwiegend positiv. Read more

Auf-Geben

Es dreht sich ums Geben am Dreikönigstag. Vielleicht gehört das Aufgeben aber auch irgendwie dazu, selbst wenn dies vor allem ein Geschenk an uns selbst sein kann. Die selbstgewählte oder erzwungene Opulenz der Weihnachtstage hat uns gesättigt. Möglicherweise hat der Überfluss uns auch eine Art Übelkeit beschert, aus der wir nur herausfinden, wenn wir anfangen, Ballast abzuwerfen. Read more

Die stille Kraft zwischen den Jahren

Die Tage vor dem Jahreswechsel besitzen ihre ganz eigene Dynamik. Nach mehr oder minder turbulenten Adventswochen und belebten Weihnachtstagen wird es stiller in uns. Die Aussicht auf das Jahresende macht uns nachdenklich und wenn wir es zulassen, finden wir in uns einen Raum, in dem wir das Vergangene reflektieren können, um es aufzugeben oder Dinge zu verändern. Read more

Ist wirklich schon wieder Dezember?

Da liegt er vor mir, dieser neue Monat, wie ein weites Feld, das ich noch bestellen muss, um alle Kargheit, die sich bedrohlich anfühlen könnte, aufzulösen. In meinem Kopf rattert eine To-Do-Liste auf und ab. Die setzt sich zum größten Teil aus Geschenkideen und deren Verwerfungen zusammen. Ich kalkuliere - im Sinne der Gleichberechtigung, ich überschlage und füge meine Überlegungen wie Puzzlestücke zusammen, in der Hoffnung, das ein schönes Bild daraus entstehen wird... bis ich merke, dass mich das alles von den wirklich schönen Bildern ablenken will.  Read more

Von Drachen und Lebenslüften

Jeder Mensch kommt mit einer Leidenschaft, einer Bestimmung zur Welt. Jeder hat einen Antrieb im Gepäck, einen bunten Drachen, den er in die Lebenslüften steigen lassen möchte. Vielleicht sind es sonderbare Dinge, wie die Vorliebe für das Züchten von violettem Gemüse. Vielleicht sind das großartige Dinge, wie das Kämpfen für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf oder einen fairen Mindestlohn. Vielleicht sind es handwerkliche Dinge, wie das Schreinern eines Tisches oder kreative Dinge, wie das Malen von Bildern oder das Einrichten gemütlicher Räume. Vielleicht ist es das Sammeln von Gedichten, vielleicht ist es das Erkunden der Welt zu Fuß, vielleicht ist es das Fotografieren von Landschaften, vielleicht ist es das Verwandeln alter Dinge in neue. Read more

Veränderungen

Der alte Schrank ist morsch geworden. Die Schubladen klemmen ständig und die Tür kreischt beim Öffnen und Schließen. Die Kleiderstange hat sich krumm gehangen von der Last meiner Sachen. Es ist zu eng da drinnen, zu dunkel und zu stickig. Und wo kommen eigentlich die Löcher in meinem Pullover her? Read more

Die Liebe hinter scharfen Zähnen

Ein ruhiges Meer, in dem Menschen baden. Ein Lachen, ein Ruf, eine kleine Unterhaltung. Dann zertrümmert ein Donnergrollen all die Menschenstimmen. Das Wasser spuckt riesige scharfkantige Mäuler aus. Ein Haifisch nach dem anderen durchbricht die spiegelglatte Oberfläche und verschlingt mit starrem Blick alles Leben. Ich sitze wie betäubt unter einem anthrazitfarbenen Himmel und kann nur hilflos zuschauen. Ich bin gelähmt, doch die Angst, die in mir empor kriecht, ätzt mir Löcher in den Bauch. Die Szenerie spielt sich nur in meinem Kopf ab. Ich habe einen Alptraum. Ein Wimpernschlag zerreißt das Bild und ich finde mich warm zugedeckt in meinem Bett wieder. Nach dem Aufwachen frage ich mich, warum ich von Haifischen träume und was mir mein Unterbewusstsein damit sagen möchte. Die Angst vor dem Tod, die Angst vor dem plötzlichen Verschwinden geliebter Menschen, die Angst vor einer Angst, in der ich mich hilflos fühle. Steigen Urängste in unseren Träumen auf, wenn es uns an Vertrauen mangelt - in uns selbst, ins Leben, in die allmächtige Kraft? [...] Read more