Die Frau, deren Arm sich hängen ließ

Frau Ostend steckt mit ihren Hippie-Klamotten und dem perlbeflochtenen Haaren in einer Art Zeitkapsel fest. Seit 25 Jahren hat sie aus lauter Angst ihr Haus kaum noch verlassen. Herr Vogel wird immer wieder von Zwangshandlungen gequält. Dem Therapeuten erzählt er unstrukturiert und ohne Atempause, was er über andere denkt. Freunde hat er keine. Einen lustigeren Ehemann wünscht sich Frau Römer. Doch mit der eigenen Lockerheit sieht es gar nicht so rosig aus. Dann ist da noch Frau Jonas. Sie wohnt seit Jahrzehnten mit ihrer Schwiegermutter zusammen, einer kritischen, strengen Person. Seit drei Jahren pflegt sie diese rund um die Uhr. Nun will Frau Jonas Arm nicht mehr. Er scheint dem Verstehen der Patientin weit voraus zu sein.

Wer sich in ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten begibt, der sucht nach Veränderung. Immer ist es das Leid, das man verwandeln will. Thomas Fritzsche weiß nach mehr als 30 jähriger Tätigkeit um diesen gemeinsamen Nenner all seiner Klienten. In “Die Frau, deren Arm sich hängen ließ” erzählt er von den Menschen, denen er er im Laufe seiner Arbeit begegnet ist.

In den Mittelpunkt stellt Thomas Fritzsche bei all seinen Fallgeschichten die Weisheit der Seele. Er bewertet das Unbewusste nicht als “üblen Fiesling” und löst sich damit von einem alten Konzept, sondern sieht in ihm einen hilfreichen Verbündeten. Oft weiß dieser bereits mehr, als die Klienten fassen können. Bei Frau Jonas ist es der Arm, der schlapp macht. Die 16jährige Nadja verletzt sich selbst, um gehört zu werden.

“Die Frau, deren Arm sich hängen ließ” liefert einen packenden Einblick in einen therapeutischen Alltag. Respektvoll begegnet Thomas Fritzsche den Menschen, deren Symptome er detektivisch beleuchtet. Stets agiert er lösungs- und stärkenorientiert, stellt kluge Fragen, die zum Nachdenken anregen. Ein sehr informatives, bewegenden Buch, welches insgesamt viel Mut macht, sich aus Fallstricken zu befreien.

Die Frau, deren Arm sich hängen ließ
Thomas Fritzsche
Herder Verlag

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