Immer wieder im Sommer

Ihre beiden Mädchen in den Ferien zum Ex-Mann schicken, die Wände in der Wohnung neu streichen. Genau das waren Annas Pläne für die kommenden zwei Wochen – bis ihr die Post einen Brief zustellt, den sie nicht ignorieren kann. “Ich muss mit dir sprechen. Deine Mutter.” Ausgerechnet jetzt, nach all den langen Jahren des Schweigens. Mit ihren Kindern, allerhand gemischten Gefühlen und ihrem Ex-Mann im Gepäck geht Anna auf eine Reise ins Gestern, von der sie hofft, einer Jugendliebe wieder zu begegnen, die sie einfach nicht vergessen kann.

Die richtigen Worte zu finden, ist für Frieda inzwischen schwer geworden. Das Alter und die Krankheit rauben ihr die Erinnerungen. Sie spürt, dass sie keine Zeit mehr hat und dabei gibt es doch noch so viel zu sagen, vor allem ihrer Tochter Anna und den Enkeltöchtern, die sie kaum kennt.

Es ist ein Besuch, der alles verändern wird. Die demente Mutter, der verwahrloste Hof mit den Tieren, das alte Kinderzimmer samt der Nähmaschine – all dem kann Anna einfach nicht wieder den Rücken zu wenden. Doch wie soll sie das aushalten, wie organisieren? Kurzerhand wird die gesamte Sippe in den VW-Bus gepackt, unterwegs noch ein jugendlicher Anhalter aufgelesen. Anna muss ans Meer. Auf Amrum will sie endlich die Entscheidungen treffen, die sie nicht länger hinauszögern kann.

Katharina Herzog erzählt in ihrem Familienroman Immer wieder im Sommer davon, wie der Blick in die Vergangenheit die Gegenwart verändern kann. Mit Anna porträtiert sie eine vom Leben enttäuschte und doch beschenkte Frau, die beginnt, all die verlorenen Fäden neu zu knüpfen, um erkennen zu können, dass man manchen Strang doch besser endgültig zertrennt. Es heißt, Illusionen aufzugeben, alte Gedanken loszulassen, um endlich vergeben zu können.

Immer wieder im Sommer zeigt sich als vielseitiger, sensibel konstruierter Roman, der davon erzählt, wie aus alten Fehlern fruchtbringende Wegbereiter werden können. Abschiede und Neuanfänge gehen hier Hand in Hand. Es formt sich dabei nicht nur eine Akzeptanz für das Verhalten des Anderen, sondern auch das Verständnis für sich selbst.


Informationen zum Buch:

Immer wieder im Sommer

Katharina Herzog

Rowohlt Polaris

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