Kleines Zuhause – Große Freiheit

Julia Seidl faszinieren kleine Häuser bereits seit Jahrzehnten, lange Zeit ehe die Tiny House Bewegung als Antwort zu steigenden Mietpreisen entsteht. Selbst als Kind von Sammlern aufgezogen, will die Autorin wissen, wie es ist, dieses Leben mit wenig Besitz. Einfach war es nicht, für ihr Buch “Kleines Zuhause – Große Freiheit” jene Kleinhäusler zu finden, die sich porträtieren lassen wollten. Denn nicht überall ist diese reduzierte Wohnform erlaubt. Zehn Menschen, die sich erfüllt fühlen von weniger Raum, hat Julia Seidl in ihrem Zuhause besucht.

Ein Leben auf 6 Quadratmetern. Wie ist das auszuhalten? Berthold lebt in einer Kiste. Die hat er auf einem Transporter fest geschraubt. Alles ist winzig. Das Tischen, das Stühlchen. Doch der Zimmermann liebt sein Heim, mit dem er ganz unabhängig die Welt bereisen kann. Freiheit statt Komfort.

Die Studentinnen Corinna und Theresa leben und lernen in einem Mini-Wohnwürfel. 7 Quadratmeter. Es beginnt schon am Morgen. Der Tanz, jene einstudierte Choreografie, nach dem Aufstehen, das Frühstück zu richten und sich für den Tag fertig zu machen. Gewollt war das eher weniger. Man hat sich eingerichtet. Wohnraum ist in München teuer.

Reinhards Tiny House steht inmitten einer grünen Oase. Für den Bootsbauer ist dies die Erfüllung eines Lebenstraums. Zu gern möchte er mit Gleichgesinnten ein Dorf aus jenen Mini-Häusern errichten, um einen Platz zu schaffen, an dem man sich im Alter gegenseitig unterstützt. Eine schöne Idee. Reinhards Frau kann es allerdings noch nicht. Jenes alte Leben aufgeben, um in einem 12,5 Quadratmeter kleinen Häuschen zu leben.

Nicht alle XS-Behausungen, die Julia Seidl, vorstellt, sind so gedrungen. Oft ergänzen weite Grünflächen oder zumindest ein Garten die Domizile. Maria lebt in ihrem Kleinbauernhaus, das aus winzigen Zimmern und einem offenen Dachstuhl besteht, immerhin auf 85 Quadratmetern Fläche. Die beiden Rentner Katharina und Josef bewohnen ein Auftragshaus. Ebenerdig, altersgerecht. Mit 75 Quadratmetern ist dies ihr Paradies, das sie mit Kindern und Enkeln verbindet auf einem gemeinsamen Grundstück verbindet.

Einsiedlerkrebse, Vereinfacher, Unabhängige, Idealisten. Warum entscheiden sich Menschen plötzlich, mit weniger Raum auszukommen? Die Beweggründe sind ganz verschieden. Kleine Häuser sind sicher eine Antwort auf die Konsumgesellschaft und das Anhäufen von immer mehr Zeug. Doch sich bewusst für mehr Bescheidenheit zu entschließen, so resümiert auch Julia Seidl nach einem Selbstversuch im Tiny House, bedarf nicht unbedingt eines Mini-Domizils. Dennoch begegnen wir all den Menschen in “Kleines Zuhause – Große Freiheit” mit Faszination. Sie alle sind mutige Individualisten und ein Großteil von ihnen versteht es, Zeugnis darüber abzuliefern, wie Nachhaltigkeit funktionieren kann. Und das ist absolut bewundernswert.


Informationen zum Buch:

Kleines Zuhause – Große Freiheit

Julia Seidl, Stefan Rosenboom (Fotos)

Ludwig

6 Replies to “Kleines Zuhause – Große Freiheit

  1. Die tiny houses faszinieren mich auch. Leider wird daraus jetzt bereits wieder Geld geschlagen von pfiffigen Unternehmern. In den USA gibt es solche Dörfer mit tiny houses. Ich glaube sogar, dass es in Deutschland auch so etwas gibt.

    1. Ich mag es auch. Es spricht mich sehr an. Aber darin leben? Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde. Es gibt ein Tiny House Dorf im Fichtelgebirge. In Ballungszentren wegen der horrenden Grundstückspreise wäre so etwas kaum möglich.

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