Alexandra Borchardt: Mensch 4.0 – Frei bleiben in einer digitalen Welt (Rezension)

Die Fastenzeit wird gegenwärtig dazu genutzt, auf Zucker oder Alkohol, Fleisch oder Koffein zu verzichten. Ebenso steht die Reduzierung des Medienkonsum inzwischen bei vielen Menschen während der Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern ganz oben auf dem Fastenplan. Man beklagt verlorene Zeit, Manipulation, Ablenkung und Sinnverlust durch die intensive Nutzung digitaler Welten und das zunehmende Gefühl von Verlorenheit. Auch Alexandra Borchardt hat sich mit der Digitalisierung und ihrer übergreifenden Macht in alle Bereiche unseres Lebens beschäftigt. In “Mensch 4.0” beleuchtet sie die Gefahren der Abhängigkeiten bis hin zum Freiheitsverlust.

Der getriebene Mensch, gefangen im Ego

Die digitale Welt verändert uns. Spätestens seit der Einführung des Smartphones erobert die Technik noch die kleinsten Winkel unseres Lebens. Ständige Verfügbarkeit von Informationen, Dienstleistungen und Produkten schürt Ungeduld. Wir wollen sofortige Belohnung, Antworten auf unsere Fragen, Befriedigung von Konsum-Sehnsüchten. Die Neugier verleitet uns zu einer unmittelbaren Reaktion auf jedes Blinken und Piepen. Leere vermögen wir nur schwer auszuhalten. Zwanghaft nehmen wir das Smartphone immer wieder zur Hand, kontrollieren unseren Posteingang, Likes und Kommentare auf Facebook, vertrauen Suchmaschinen unsere Fragen an, nutzen Apps als Problemlöser. Es ist ein eher beklemmendes Szenario, das Mensch 4.0 hier beschreibt. Doch es ist eines, dem wir immer öfter ansichtig werden, ein Verhalten, das wir selbst zusehends ausüben, dessen ist sich Alexandra Borchardt sicher.

Verantwortung übernehmen in jener “Schönen, neuen Welt”

Für ihre Recherche hat Alexandra Borchardt Erkenntnisse aus der Psychologie, der Gehirnforschung, Philosophie, Techniktheorie, Soziologie und Politikwissenschaften herangezogen. Mit kritischem Blick zeigt sie uns Stolperfallen, die nicht nur die digitale Welt an sich betreffen, sondern vor allem aus unseren Verhaltensmustern hervorgehen. Dennoch verteufelt sie die Technik nicht. Die Autorin möchte vor allem sensibilisieren. Denn nur im Erkennen sieht sie die Chance auf Veränderung.

FAZIT: Mensch 4.0 ist ein anspruchsvolles Buch, das gerade in der Fastenzeit Impulse bietet, die eigene Mediennutzung einmal zu überdenken, ein Medien-Fasten auszuprobieren, um in Zukunft, die digitale Welt zu nutzen, ohne sich benutzen zu lassen.


Informationen zum Buch:

Mensch 4.0 – Frei bleiben in einer digitalen Welt
Alexandra Borchardt
Gütersloher Verlagshaus

4 Replies to “Alexandra Borchardt: Mensch 4.0 – Frei bleiben in einer digitalen Welt (Rezension)

  1. Ein wichtiges Thema! Genau aus diesem Grund habe ich immer noch kein smartphone, der Computer reicht mir. Ich will auch nicht immer zugänglich sein, dass muss nicht sein. Vielleicht bringt das Buch ja ein paar Leute zum Umdenken.

    1. Ja, das Thema wird ja gerade im Moment wieder viel diskutiert. Mal sehen, was nach der Fastenzeit vom sogenannten Digital Detox übrig bleibt.

Rede mit! (Kommentare werden manuell freigeschaltet)