Warten im Advent und die Akzeptanz von Veränderungen

Immer weniger Tageslicht füllt unsere Stunden und manchmal hat man den Eindruck, es wolle gar nicht mehr hell werden. Wir zünden Kerzen an, füttern all die Lichterketten, die Leuchtsterne mit Strom, um es ein bisschen behaglich zu haben. Und um die Dunkelheit auszuhalten. Advent bedeutet Warten. Wir warten auf das Licht, das neugeboren wird in der Liebe, in der Gestalt eines Kindes. Das ist unsere Hoffnung, all das Schwere anzunehmen, unsere Lasten zu tragen. Es wird Licht werden und wenn wir daran glauben, können wir die Nacht in uns und um uns akzeptieren. Auch wenn es manchmal Dinge gibt, die uns so sehr betrüben, dass es uns schwer fällt, an Besserung zu glauben, daran zu glauben, dass es wieder hell werden wird.

Die letzten Monate waren bunt, schön, turbulent, aber in mancher Hinsicht überhaupt nicht einfach. In einem Lebensbereich ging es rauf und runter und dann ziemlich steil bergab, was zu akzeptieren, mir unsagbar schwer fiel. Da nützte auch das Verdrängen nichts und all das Leugnen. Ich bin machtlos gegenüber diesem Zustand und das ist schon ein sehr seltsames Gefühl.

Ein mir nahestehender Mensch verliert zusehends an Kraft, geistig wie körperlich. Das Älterwerden ist ein unaufhaltsamer Prozess und manche Krankheit ist in den späteren Jahren kaum noch zu bändigen. Man wartet dennoch auf ein Wunder. Man wartet auf ein kleines Zeichen, selbst wenn man neben dem Bett im Pflegeheim steht und ein Gespräch längst nicht mehr möglich ist.

In diesem Warten verbirgt sich aber auch etwas Anderes. Etwas verändert sich in uns und an der Beziehung zwischen diesem Menschen. Ich habe das Gefühl, dass sich alle alten Fragen auflösen wollen, dass alles sanfter wird und das Zwischenmenschliche heilen will.

Dieser Ballast aus jenem Was-wäre-wenn im Rückblick auf Vergangenes löst sich ein Stück weit auf. Auch das ist ein Bestandteil des Wartens, dass wir versuchen wollen, uns mit der Situation zu versöhnen. Es ist ein Eingeständnis, welches neben der Melancholie auch Freiheit beinhaltet. Nämlich endlich einander um Vergebung zu bitten und vergeben zu können, selbst wenn Worte fehlen – mit einem liebevollen Händedruck, einem Kuss, einer zärtlichen Geste, einem Blick, der frei ist von Verbitterung.

Wir warten im Advent auf eine Ankunft. Und wir warten auf die Allmacht der Liebe. Sie vermag das zu heilen, wozu sonst keine Medizin in der Lage ist und erreicht die Regionen, die kein Arzt je mit Skalpell oder Röntgenblick zu sehen bekommt. Sie erreicht viel mehr als wir ahnen. Sie kann uns hier auf Erden bis zum Schluss wärmen und sie wärmt die Seele in Gottes Umarmung, wenn sonst nichts mehr übrig ist.

Wir warten im Advent auf das Licht. Auch wenn die Dinge manchmal anders beleuchtet werden, ganz anders, als wir uns das vorgestellt hätten. Doch Gott zeigt uns Wege, weiterzugehen, wie einst Paulus, der sagte: “Eins aber [tue ich]: Was hinter mir ist, vergesse ich, nach dem aber, was vor mir ist, strecke ich mich aus.” (Phil 3,12-16)

Es ist unausweichlich und wir müssen dieses oder jenes Zulassen, uns neuen Situationen anpassen. Weil es unmöglich ist, das Alte wiederherzustellen, jenen Menschen wie er einmal war, wiederzubekommen. “Es ist was es ist”, wusste Erich Fried in seinem berühmtesten Gedicht zu sagen. Und Recht hat er. Entgegen aller Stürme besitzen wir immer noch die Fähigkeit zu lieben.

An Weihnachten hat uns Gott seine Liebe in Gestalt eines Kindes geschenkt. Und von Liebe erfüllt, lassen wir das Gestern hinter uns, während wir auf das Licht warten. Wir reinigen uns von Lasten, von Groll und werden hoffen, dass alles Neue, was da kommt, etwas Gutes für uns ist. Etwas Gutes, Annehmbares, weil wir den Kern der Liebe darin finden wollen.

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