Der kleine Prinz feiert Weihnachten – Martin Baltscheit (Rezension)

Ausgerechnet im leeren Mehlsack landet der kleine Prinz bei seinem Sturzflug, der ihn vom Asteroiden B612 zurück zur Erde führt. Nach einem Unglück ist er auf der Suche nach seinem besten Freund, dem Piloten, dessen Namen er nicht kennt. Doch im frostig kalten Hof der Backstube trifft er nur auf eine Krähe, die ihre Zuneigung gegen Plätzchenkrümel tauscht. Während die Welt im Weihnachtsfieber funkelt und darin zu verglühen scheint, ohne sich wirklich zu erwärmen, macht sich der kleine Prinz auf den Weg, um die Sehnsucht seines Herzens zu stillen.

Man mag es kaum glauben, aber der kleine Prinz ist zurückgekehrt. Und das pünktlich zu Weihnachten. Martin Baltscheit will damit nicht nur allen Liebhabern dieser unvergesslichen Geschichte ein Geschenk machen, sondern auch dem Verfasser Antoine de Saint-Exupéry, denn ihm hat er “Der kleine Prinz feiert Weihnachten” gewidmet.

Der kleine Prinz ist mitten unter uns, hier in der Gegenwart. Das ist für so einen empfindsamen Charakter wahrlich kein Kinderspiel. Und Martin Baltscheit setzt ihm zu in dieser Realität aus Wirrnissen. Der Junge wird für einfältig gehalten, für dumm, ja sogar für verrückt und kriminell. Nicht nur das Innenleben der betriebsamen Backstube samt geschäftstüchtigen Bäcker lernt er kennen, sondern auch Polizeirevier und Irrenanstalt. Wenigstens gibt es in letzteren Räumlichkeiten die Begegnung mit alten Bekannten und so manche Erkenntnis. Einzig das Porzellan-Christkind in der Kirche scheint die Barmherzigkeit im kleinen Prinzen zu erkennen und möchte bei ihm sein, aber da lässt es Martin Baltscheit schon in sieben Scherben zerspringen.

Andeutungen, Doppeldeutigkeiten, versteckter Humor. Der Autor wirft einen kritischen Blick auf das Konsumieren, den allzu schnellen Lebenszyklus der Güter, die zerstörerische Hektik, den narzisstischen Selfie-Wahn, die ewige Geschäftemacherei und das sinnlose Ertrinken im Meer, weil überfüllte Boote kentern.

“Der kleine Prinz feiert Weihnachten” ist definitiv kein Buch, das man kleinen Kindern unter den Weihnachtsbaum legt. Es ist eines für das Kind im Erwachsenen, das sich nach einer altvertrauten Nähe sehnt und nach einem wahrhaftigen Erkanntwerden, zugleich aber endlich frei sein möchte, herausgelöst aus Strukturen, die es klein halten. Und findet man diesen Zwiespalt nicht in allen Familien, gerade zum Weihnachtsfest?


Informationen zum Buch:

Der kleine Prinz feiert Weihnachten
Martin Baltscheit
Karl Rauch Verlag

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