Der Himmel zu unseren Füßen – Patricia Koelle (Rezension)

Ein Not-Weihnachtsbaum aus toten Ästen, Efeu, Moos, Heidekraut und Misteln wird am Heiligabend 1944 auf Amrum zum Gemeinschaftsprojekt der Inselbewohner, die sich in diesen kargen, unbeständigen Zeiten so sehr nach Frieden sehnen. Doch ehe sich alle am späten Nachmittag um diesen Baum versammeln, erinnert sich Birke noch einmal an die Begebenheiten der vergangenen Jahre, die trotz allem Verlustes und aller Trauer genau das erschufen, was heute in ihr ist – ein liebendes Herz und ein neugieriger, abenteuerlustiger Geist.

Auf Amrum verstecken Birke und ihre Tante jüdische Mädchen und verwirrte alte Männer. Sie geben rätselhaften Flüchtlingen nicht nur Brot und eine Bleibe, sondern auch das Geschenk der Freundschaft. Verschwiegenheit wird auf Amrum groß geschrieben. Was auf der Insel geschieht, bleibt auch hier. Denn hier hüten alle ihre Geheimnisse – jene kostbaren, jene seelenvollen, welche das Leben schützen wollen. Vielleicht hängen auch deshalb in einer Dezembernacht die Kinder selbstgebastelte Engel an die Haustüren der Insulaner. Die Liebe holt den Himmel herab nach Amrum.

Patricia Koelle bedient sich einer poetischen Sprachmelodie, die sich leise anschleicht und den Leser gekonnt umgarnt. So schafft sie eine milde Distanz zu den Schrecken dieses Weltkrieges, der seine Finger zwar bis nach Amrum ausstreckt, aber es nicht vermag, die Herzen der Bewohner zu verwüsten. “Der Himmel zu unseren Füßen” ist ein sanfter Roman, in den die Autorin die Farben ihrer Seele hineingelegt hat und der trotz allem persönlichen Kummer, die Tür der Hoffnung offen lässt.


Informationen zum Buch:

Der Himmel zu unseren Füßen
Patricia Koelle
FISCHER Taschenbuch

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