Liebe Mrs. Bird – A. J. Pearce (Rezension)

Der zweite Weltkrieg erschüttert den Kontinent. Auch in London sind Leid, Angst und Entbehrung spürbar. Doch für Emmeline Lake könnte ausgerechnet jetzt ihr größter Traum in Erfüllung gehen. Als die Sekretärin und freiwillige Helferin bei der Feuerwache von einem angesehenen Verlag zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, geht sie fest davon aus, dass sie bald als Kriegsreporterin arbeiten und über die Außenpolitik berichten darf. Wie groß ist die Ernüchterung, als man sie der resoluten Kummerkastentante Mrs. Bird zur Seite stellt, die allen in ihrer Umgebung Angst einflößt. Ob Emmy dennoch ihr Talent, bewegende Texte zu schreiben, unter Beweis stellen kann?

Finden Sie heraus, worin Sie gut sind, Miss Lake, und dann werden Sie noch besser.” (S. 80)

Briefe öffnen. Briefe lesen. Briefe aussortieren. Das sind Emmelines Aufgaben bei der Zeitschrift “Woman’s Friend”. Dabei legt ihr Mrs. Bird einen eisernen Regelkatalog vor, an den sie sich unbedingt zu halten hat. Jegliche Form von Sittenlosigkeit ist unerwünscht und gehört sofort in den Papierkorb. Absenderinnen, die zu sehr lieben, ehe die Hochzeitsglocken läuten, betrogene verheiratete Frauen, unglücklich verliebte Frauen, verlassene Frauen, unverheiratete schwangere Frauen sollen nach Mrs. Birds Standardgrundsätzen niemals eine Antwort erhalten. Lieber disputiert die Herausgeberin über dicke Oberarme und Handarbeiten. Doch all das hält Emmy bald nicht mehr aus, dass sie all diese Briefe zerreißen muss, in denen so dringend um Hilfe gefleht wird. Also antwortete sie den Frauen und unterschreibt mit Ihre Mrs. Bird…

Das Geschenk der Freundschaft zwischen Bomben und Trümmern

In ihrem Debütroman lässt A. J. Pearce eine turbulente Zeit auferstehen und erzählt von der Sehnsucht, seine Träume leben zu dürfen, auch wenn der Blitzkrieg jede Nacht über der Stadt tobt und ganze Straßenzüge niedergebombt werden. Sie berichtet von heldenhafter Kriegsarbeit, die Frauen Tag für Tag mit ganzem Einsatz und Herzblut erledigen. Ob am Schreibtisch im War Office, als Telefonistin in der Feuerwache oder eben als heimliche Briefeschreiberin, die in Zeiten der Not Hoffnung und Zuversicht spendet. Dabei schlägt die Autorin einen Tonfall an, der trotz allerlei dramatischer Wendungen munter und salopp daherkommt und hervorragend die Mundart vergangener Tage imitiert. “Liebe Mrs. Bird” erfrischt das Lesegemüt mit lebendigen Schilderungen, einem authentischen Zeitkolorit, flotten Charakteren und bietet so allerfeinste Unterhaltung.


Informationen zum Buch:

Liebe Mrs. Bird
A. J. Pearce
Kindler

5 Replies to “Liebe Mrs. Bird – A. J. Pearce (Rezension)

    1. Das empfand ich auch so. Hervorstechend an diesem Buch ist wohl vor allem die Mundart, angepasst an die damalige Zeit, ohne das es angestaubt wirkt. Ich hoffe, noch mehr von dieser Autorin zu lesen.

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