Emotionale Gewalt von Werner Bartens (Rezension)

Ganz deutlich oder hinterrücks, laut oder beinah tonlos, seit jeher verwenden Menschen verschiedenste Methoden emotionaler Erpressung, die immer eins wollen: das Gegenüber unter Druck setzen, um ein Ziel zu erreichen. Definitiv werden dabei Grenzen überschritten. Nicht immer geschieht der Vorgang bewusst. Oft lebt man Verhaltensmuster, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Werner Bartens, Arzt und Bestsellerautor, hat sich eingehend in seinem Buch “Emotionale Gewalt” mit Kränkungen, Demütigungen und Liebesentzug, deren Auswirkungen, aber auch mit Schutzmechanismen beschäftigt.

Sie ist allgegenwärtig und wird doch so sehr unterschätzt. Auf Arbeit, in der Schule, im Bekanntenkreis und vor allem auch daheim, sind Menschen Nötigungen ausgesetzt, die oft schwer verheilen. Werner Bartens zeigt uns, wo emotionale Gewalt anfängt, wo sie ausgeübt wird, welche weitreichenden Folgen Kränkungen bereits in der Kindheit haben und wie sich diese auch gesamtgesellschaftlich auswirken.

Wie schaffen wir es letztlich, uns gegen emotionalen Missbrauch zu wehren, aus dessen Folge Angst, Depression, ein geschwächtes Immunsystem oder eine geringere Schmerztoleranz hervorgehen? Werner Bartens öffnet uns im letzten Teil des Buches eine Tür, die einen Ausstieg aus der Opferrolle durch emotionale Gewalt zeigen möchte oder zumindest eine Stütze anbietet, einen Umgang mit den Verhaltensweisen zu finden, ohne dabei krank zu werden.

Fazit: Werner Bartens hat mit “Emotionale Gewalt” ein erschreckend kluges Buch geschrieben, das wachrütteln will, einander nicht nur im täglichen Umgang mit Respekt, Achtsamkeit und Feingefühl zu begegnen, sondern mit Entschlossenheit einzuschreiten, wenn man zwischenmenschliche Demütigungen aufdeckt.


Informationen zum Buch:

Emotionale Gewalt
Was uns wirklich weh tut: Kränkung, Demütigung, Liebesentzug und wie wir uns dagegen schützen
Werner Bartens
Rowohlt 

4 Replies to “Emotionale Gewalt von Werner Bartens (Rezension)

    1. Wenn man das erkennt, kann man versuchen Frieden mit der Vergangenheit zu schließen und weitergehen. Es ist ein großer Schritt. Gut, dass es dir gelungen ist, auch wenn es ganz bestimmt nicht einfach war. Viele erkennen das gar nicht und nehmen die Muster mit.

  1. Ich hatte ein schlechtes Beispiel in meiner um einige Jahre älteren Ex-Schwägerin, die mit 50 immer noch ihrer Mutter vorwarf, dass sie ihre Brüder immer vorgezogen hat. Das führte mir irgendwie vor Augen, wie unfrei sie immer noch von ihrer Kindheit war. So wollte ich auf keinen Fall enden und habe mich daher bemüht meinen Eltern zu vergeben, was da zu vergeben war, aber auch zu danken für das Gute und dann in meinem eigenen Leben weiterzukommen. Das war eine grosse Erleichterung. Ausserdem, ich bin ja auch nicht gerade fehlerfrei … 😉

    1. Das ist ein langer Prozess. Aber letztlich lohnt sich dieser Weg. Jeden Ballast, den wir von früher mit uns rumschleppen, raubt uns Energie in der Gegenwart. Gut, dass du es aufgearbeitet hast, ganz bewusst noch einmal ein Resümee gezogen hast. Viele verdrängen ja einfach nur, bis es irgendwann wieder hochkommt.

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