Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen und hol dir deine Freude zurück

Früher habe ich diese Mütter, die jeden Tag der Woche nach der Arbeit etwas für ihre Kinder geplant hatten, für ihre schier unerschöpfliche Energie bewundert. Am Montag Kinderturnen, am Dienstag ein Treffen mit Freundin A und deren Kindern, am Mittwoch Zoo, Donnerstag der Schwimmkurs, Freitag mit Freundin B und ihrem Sohn zum Eisessen und abends allein mit Freundin C ins Kino. Samstags geht man mit der Familie in die Stadt zum Shopping und Sonntag lädt man ein paar Bekannte zu sich in den Garten zum Grillen ein. Ist das nicht beeindruckend? Ich bin schon erschöpft, wenn ich diese Woche mit all den Aktivitäten nur durch meinen Kopf rattern lasse. Schiebt man allerdings jenen scheinbar unermüdlichen Antrieb dieser Superfrauen einmal beiseite und schaut bewusst in deren Gesichter, vielleicht sieht man dann auch etwas anderes – eine Spur von Verlorenheit und die ewige Frage, ob man gut genug ist für all das, gut genug für das Leben.

Mithalten oder aushalten?

Eine aktuelle Studie der Barmer zeigt, dass bereits jeder sechste Student psychisch krank ist. Symptome sind Ängste, Depressionen und allerlei körperliche Beschwerden. Wenn ein Mann oder eine Frau aus der Altersgruppe der 18 bis 25 Jährigen ein Krankenhaus aufsucht, dann ist der häufigste Grund ein psychisches Problem.

Vielleicht legen auch wir Mütter als Teil der Gesellschaft einen Grundstein für diese Entwicklung und prägen den Takt, der unsere Kinder später vielleicht einmal aus der Bahn werfen könnte.  

Woher kommt das alles nur? Ist das die Beschleunigung unseres Alltages und jener Druck, immer mehr in der gleichen Zeit schaffen zu wollen? Unsere Erde dreht sich doch nicht schneller. Warum rotieren wir mit aufgedrehtem Flügelschlag durchs Leben, wollen alles und jeden fassen, nichts aus- und nichts zurücklassen und sind dennoch vor allem eins: unendlich müde und manchmal auch traurig.

Der Stachel des Vergleichs

Immer wieder erliegt der Mensch der Versuchung, sich mit einem anderen zu vergleichen. Das Ergebnis ist allzu oft negativ. Denn im Ansporn liegt meist einfach nur der Wunsch, den anderen zu übertrumpfen. Neid erzeugt das Streben nach mehr Vergünstigungen des Lebens. In der biblischen Geschichte sehen wir dies bereits ganz zu Beginn im ersten Buch Mose. Da ist ein Bruder, der dem anderen nicht die Zuneigung Gottes gönnt, einer, der sich ungerecht behandelt fühlt, obwohl auch er Opfergaben gebracht hat. Warum belohnt ihn Gott nicht ebenso? Kain vergleicht sich mit seinem Bruder Abel, fühlt sich benachteiligt und wird wütend. Die Situation eskaliert, als er sich in seinen dunklen Gefühlen verliert. Vergiftet von Groll erschlägt Kain Abel.

Es gibt heutzutage immer noch genug Beispiele dafür, wie manche Menschen ihre eigene Art zu zerstören versuchen, eben weil sie eine eigene Benachteiligung vermuten, weil sie sich in Besitz oder Ansehen bedroht fühlen, weil sie gern genau das haben wollen, was der andere hat, weil sie Macht ausüben möchten. Vor allem aber, weil sie sich mit anderen verglichen haben und sich im Hier und Jetzt nicht genügen.

Sind wir uns selbst nicht genug?

Diese Frage taucht auch im Großteil der restlichen Weltbevölkerung auf, die allerdings im Vergleichen weniger aggressiv gegen andere vorgeht als gegen sich selbst. In der Aggression gegen sich selbst, steckt die Gefahr, an einer Depression zu erkranken. Aus dem Du gegen Du wird ein Kampf mit dem eigenen Ich. Beides ist destruktiv.

Der ist schon wieder befördert worden. Die haben sich ein Haus mit einem riesigen Grundstück gekauft! Meine Kollegin ernährt sich jetzt komplett zuckerfrei. Wie, die fliegen schon wieder in den Urlaub? Was die sich immer für tolle Klamotten leisten kann! Jetzt haben die sich tatsächlich noch ein zweites (drittes, viertes) Auto gekauft! Die hat viel mehr Follower auf Instagram. Wie schafft die das bloß, dreimal die Woche zum Yoga zu gehen? Deren Kinder haben immer die besten Noten. Der hat noch während des Studiums einen Superjob bekommen. Jetzt lernt die auch noch eine zweite Fremdsprache in der Abendschule. Ich könnte, ich müsste ja auch… 

Aber sind das alles wirklich unsere eigenen Sehnsüchte? Oder wollen wir da nur etwas auf unser Leben übertragen, egal ob es letztlich gut für uns ist oder nicht – einfach weil uns die Außenwirkung des Anderen imponiert und wir glauben, er müsse sich viel glücklicher fühlen als wir?

Was willst du eigentlich?

Wir werden unseren inneren Frieden nicht finden, wenn wir ständig auf andere schauen. Natürlich vermag uns manches Engagement zu motivieren, wenn es von einem positiven Grundton getragen wird, der uns auch erfüllen könnte. Aber etwas allein auf Äußerlichkeiten aufbauen zu wollen, sollte uns stutzig machen. Das Äußere sollte nie das Innere übervorteilen.

Vor kurzem habe ich eine Bekannte getroffen, die schon lange mit einer Entscheidung ringt. Sie erzählte mir, dass alle mit denen sie gesprochen hätte, ihr davon abraten, diesen Schritt zu gehen. Ich fragte sie: Und was willst du überhaupt? Meine Bekannte blickte mich verwundert an. Das wisse sie eigentlich gar nicht. Sie habe schon lange den Draht zu ihrer inneren Stimme verloren.

Raubt der ständige Vergleich uns die Möglichkeit, im Einklang mit uns selbst zu sein? Wird die ehemals als Bauchgefühl deklarierte Intuition solange vom Kritiker mundtot gemacht, bis wir sie gar nicht mehr hören? Und sind die Wege, die andere gehen, wirklich so viel besser als jene Richtung, in die uns unser Herz eigentlich ziehen möchte?

“Was geht es dich an?”

Nach seiner Auferstehung spricht Jesus noch einmal mit Petrus über dessen Aufgaben und seinen Lebensweg. Doch statt bei sich zu bleiben, tut Petrus etwas anderes.

Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!” (Johannes 21, 20-23)

Folge DU mir nach.

Neid will uns von unserer eigenen Spur ablenken. Zudem ist er meist mit einer minderen oder schwereren Form von Feindseligkeit verbunden. Das macht nicht nur die zwischenmenschlichen Beziehungen schwierig. Auch in sich selbst wird man instabil, wenn der Blick ständig zwischen sich und anderen hin und her schnellt, man dabei ohne Unterlass abwiegt und bewertet. Die innere Unruhe, die dabei aufkommt, raubt uns Lebensfreude.

Gott hat jeden Menschen besonders gemacht. Keiner ist dem anderen völlig gleich. Und kein Lebenslauf ist mit dem anderen identisch. Es wäre eine langweilige Welt, wenn dem so wäre, nicht wahr?

Du bist ein Wunder, wie es kein zweites gibt

Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen. Dein Leben ist ein Geschenk und du bist das wunderbarste darin. Du bist etwas Besonderes. Und dein Gegenüber ist es auch. In uns allen wohnt ein Licht, das Gott entzündet hat und auf innigste Weise liebt. Wenn du diese Liebe in dir findest, vermagst du auch, das Licht in jedem anderen zu sehen, dich an jedem Licht zu erfreuen und dankbar zu sein, dass es leuchtet.

3 Replies to “Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen und hol dir deine Freude zurück

  1. Ein wunderschöner Beitrag, liebe Katja!
    Mir wird ganz schwindelig, wenn ich den Wochenplan der einen Mutter lese. Aber hier in Dänemark ist es auch so, immer Tempo, immer Action, Action, Action, sonst fühlt man nicht, dass man lebt. Stress hoch zehn … kein Wunder, dass sich das auf die Kinder auswirkt.

    Für die Söhne meines Mannes war das immer ein Kontrastprogramm, bei der Mutter Action, bei uns Ruhe. Wir hatten nicht einmal einen Fernseher, da waren sie immer auf sich selber zurückgeworfen. Aber nach einer Zeit konnten sie sich gut selber beschäftigen.

    1. Ja, ich glaube, das verlangt ein bisschen Übung. Vor allem durch die Eltern. Die Kindern lernen schneller, sich an neue Umstände anzupassen.

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