Tell me three things – Julie Buxbaum (Rezension)

Die 16-jährige Jessie Holmes ist die Neue an der Wood-Valley-Highschool in Kalifornien. Sie hat keinen guten Start. Auf einem Schulcampus voller schöner, blonder Mädchen und supercooler Typen, die in den Ferien Praktikas bei Google machen oder den Kilimandscharo besteigen, fühlt sich wie eine Außerirdische. Jessie hat im Sommer Smoothies gemixt, um ihr Taschengeld zu aufzubessern. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ihr so elend zumute ist. Sie sehnt sich zurück nach Chicago und vor allem wünscht sie sich ihre verstorbene Mutter zurück. Sie möchte nicht in diesem riesigen Haus mit der neuen Stiefmutter und ihrem neuen Bruder leben. Doch plötzlich erhält Jessie anonyme Mails, mit denen sie jemand aufheitern will.

“Willkommen im Urwald!”

Wer ist dieser Unbekannte, fragt sich Jessie nach anfänglicher Skepsis, überhaupt mit jenem fremden Gesprächspartner intime Gedanken auszutauschen. Was wenn sich die Oberzicke Gem, von der sie gemobbt wird, hinter dem Absender versteckt? Bald zeigt sich jedoch, dass “Somebody Nobody”, oder kurz SN, wie Jessie ihn nennt, wirklich daran liegt, sie glücklich zu machen.

April ist der übelste Monat von allen, treibt.” (T.S. Eliot)

Verbirgt sich vielleicht Liam, der in einer Band singt und seine Gitarre Earl nennt, hinter SN? Oder ist es Caleb, der immer dann sein Telefon in der Hand hält, wenn sie wieder eine neue Nachricht bekommt? Dann ist da noch Ethan, der so wunderbar nach Honig und Lavendel duftet, ein geheimnisvoller Typ im ewig gleichen Batman-Shirt, mit dem sie an einem Literaturprojekt arbeitet.

“Erzähl mir drei Dinge, die Dinge, die ich nicht über dich weiß”, fordert Jessie bald von SN und so nimmt das Kennenlernen und Sich-Selbst-Verstehen seinen Lauf. Der Unbekannt zieht den Schleier der Einsamkeit von ihr fort und bald will Jessie nur noch eins: mit SN endlich von Angesicht zu Angesicht reden.

Heimat ist dort, wo dein Herz ist

Nach langer Zeit habe ich wieder einmal ein Buch für Jugendliche lesen. Nein, eigentlich stimmt das nicht so ganz. Ich habe ich diesen Roman regelrecht verschlungen und konnte ihn kaum mehr aus der Hand legen. Julie Buxbaum versteht es ganz meisterhaft, durch ein Detektivspiel, welches sich vor allem durch sehnsuchtsvolle Zwischentöne und das Wachsen emotionaler Reife auszeichnet, ihre Leser an eine hervorragende Geschichte um das Erwachsenwerden zu fesseln. Mit dem Versuch der Enttarnung begegnet Jessie nicht nur ihren Mitmenschen auf eine neue herausfordernde Art, sie entdeckt ihre eigene Kraft, nicht länger nur ein Opfer der Umstände zu sein. “Tell me three things” entledigt sich der Designersonnenbrillen und präsentiert sich als ehrlicher, warmherziger Coming-of-age Roman.


Informationen zum Buch:

Tell me three things
Julie Buxbaum
Bastei Lübbe

4 Replies to “Tell me three things – Julie Buxbaum (Rezension)

    1. Bisher noch nicht. Sie hat aber schon ein paar Bücher geschrieben. Übrigens “Julie(t)” – “Deine Juliet” kommt bald als Verfilmung ins Kino. 😉

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