Die kleine Welt der Madame Jeanne (Rezension)

Allein zu leben, macht Jeanne nichts aus. Die 90 jährige Frau, die noch immer all eigenen Zähne im Mund hat, verliert mit den vergehenden Jahren auch nicht ihren Biss. Obwohl natürlich alles ein bisschen langsamer vonstatten geht. Zum Glück hat sie ihre Angèle, die ihr im Haushalt hilft und einen Gärtner, der sich ab und an um das Gemüse und den Vorgarten kümmert. Das Leben feiert sie mit ihren Freundinnen mit einem Gläschen oder Zweien und einer Partie Bridge. Manchmal kommen auch die Kinder samt der Enkelkinder zu Besuch und sorgen für Tumult in der kleinen Welt der Madame Jeanne.

In unserem Alter sind wir wie alte Bäume. Das gute Wetter haucht uns wieder etwas Leben ein, wir ergrünen, wenn auch jedes Jahr ein bisschen weniger. Die milden Tage vermitteln uns eine Illusion von Ewigkeit.” (Die kleine Welt der Madame Jeanne, S. 20)

Entwaffnende Herzlichkeit

Meist munter, manchmal ein wenig wehmütig, aber dabei immer diesen lebensbejahenden Ton behaltend, erzählt Madame Jeanne im Kreislauf von Werden und Vergehen aus ihrem Alltag. Und gerade diese alltäglichen Dinge weiß sie so köstlich in Worte auszukleiden, dass man sich ganz leicht überzeugen lässt, dass sie trotz heranschleichender Gebrechen, genau den Platz gefunden hat, wo sie hingehört. In Jeannes Fall ist das ein Haus mitten in der französischen Pampa. Das nächste Dorf liegt fünf Kilometer entfernt. Ihre Nachbarn sind neben dem skurrilen Ehepaar Fernand und Marcelle vor allem Wälder, Wiesen und Felder. Dieses Wohlfühlen in der Natur, spürt man in jeder zarten Betrachtung:

Ein Hauch von Wald in einer Steinpilzpfanne.” (Die kleine Welt der Madame Jeanne, S. 184)

Der wohl Liebevollste Roman über das AlterWerden

Atmosphärisch dicht schreibt Véronique de Bure in “Die kleine Welt der Madame Jeanne” über das Leben einer betagten Dame, von der man wünscht, sie wäre mit einem verwandt, allenfalls befreundet, nur um sie jederzeit um Rat fragen zu dürfen. Oder aber in Gegenwart ihres überwiegend sonnigen Gemüts ein bisschen Ballast an Sorgen abzuwerfen. Doch auch in all den melancholischen Tönen schwingt immer eine Prise Hoffnung mit. Mit Madame Jeanne zeigt uns die Autorin einen Weg, weder das Altwerden noch den Tod zu fürchten und vielmehr dem Leben stets mit Dankbarkeit zu begegnen.


Informationen zum Buch:

Die kleine Welt der Madame Jeanne
Véronique de Bure
Kindler (Rowohlt Verlag) 

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