Shark Club von Ann Kidd Taylor (Rezension)

Man nennt sie eine Haiflüsterin. Als Maeve im Alter von 12 Jahren von einem Hai gebissen wird, entwickelt sie für diese Tiere eine derart tiefe Faszination, die aus ihr schließlich eine engagierte Meeresbiologin macht. Maeve taucht in den Ozeanen und schwimmt mit den Haien, um deren Verhalten zu untersuchen. Die junge Frau ist auf der ganzen Welt zu Hause, überall dort wo sich Haie in den Meeren tümmeln. Ihre große Liebe jedoch hat Maeve in Calusa, Florida zurückgelassen. Als sie an ihrem 30. Geburtstag in das Hotel ihrer Großmutter zurückkehrt und dort auf ein kleines Mädchen trifft, das ihr merkwürdig vertraut erscheint, muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen.

“Sie wurde wortwörtlich vom Objekt ihrer Begierde gebissen.” (S. 51)

So wie der Haibiss Maeves Liebe zu diesen Tieren auf fast magische Weise erweckt, verzauberte sie einst auch Daniels erster Kuss, den er ihr unmittelbar vor dem Haiangriff am Strand von Calusa stahl. Doch bevor Jahre später die Hochzeitsglocken läuten, gesteht ihr Daniel einen Seitensprung, aus dem eine Tochter hervorgeht. Maeve flieht, reist um die Welt und knüpft ein zartes Band zu ihrem Kollegen Nicolas, der ihre Leidenschaft für das Leben im Meer teilt.

Eine Liebe zwischen zwei Welten

Nach ihrer Rückkehr ins Hotel der literaturvernarrten Großmutter findet sich Maeve plötzlich zwischen zwei Männern wieder. Denn nicht nur Daniel begegnet ihr tagtäglich, da er in der Hotelküche arbeitet. Auch Nicolas ist ihr nachgereist, weil er Maeve unbedingt wieder sehen möchte. Dann ist da noch Hazel, die absolut bezaubernde, kleine Tochter Daniels, welche vor kurzem ihre Mutter verloren hat. Sie sucht immer wieder Maeves Nähe und becirct die Meeresbiologin so sehr, dass sie sich schließlich bereit erklärt, ihr mehr über ihre Arbeit und die Haie zu erzählen. Der “Shark Club” wird geboren, dem bald auch Daniel beitritt. Allerdings nicht, weil er die Haie liebt, sondern weil er in Maeves Nähe sein möchte. Doch ehe die beiden ihre Beziehung neu sortieren können, wird Maeve von einem Skandal abgelenkt, der sich unmittelbar vor der Haustür abspielt.

Pro Jahr sterben etwa 4 Menschen durch Haiangriffe. Demgegenüber stehen 80 Millionen jährlich von Menschenhand getötete Haie.

Maeve Donnelly schwimmt mit jenen Tieren, vor denen sich die meisten Menschen fürchten, da sie spätestens seit der Negativpropaganda der filmischen Inszenierung durch Steven Spielberg als Monster in Verruf geraten sind. Die Autorin Ann Kidd Taylor, Tochter der preisgekrönten Sue Monk Kidd, die mit “Die Bienenhüterin” weltweit auf sich aufmerksam machte, räumt in ihrem Romandebüt mit Vorurteilen auf. Die Panikmache um den Hai verwandelt sie in “Shark Club – Eine Liebe so ewig wie das Meer” in eine sensible Studie über einen Meeresbewohner, der kostbar und überaus wichtig für das Leben in den Weltmeeren und somit auch für uns ist. In ihrer Heimat kommt Maeve einem Verbrechen auf die Spur, das von der skrupelosen Ausbeute der Haie erzählt. Grausam ihren Flossen beraubt, die als Delikatessen auf dem Schwarzmarkt landen, verenden unzählige Haie an den Küsten Floridas. Maeve versucht dem Einhalt zu gebieten und die Täter aufzustöbern. Dabei gerät sie selbst in Gefahr.

Leise Melancholie um verpassten Chancen und die Sehnsucht nach einer bedingungslosen Liebe

Während sich Maeve in ihrer Arbeit mit den Haien absolut aufgehoben fühlt, kann sie im Privatleben keine Entscheidung treffen. Sie ist sich nicht sicher, welchen Mann sie an ihrer Seite haben möchte. Ann Kidd Taylor zeichnet mit Maeve eine Protagonistin, die zu großer Liebe fähig ist, aber frei sein muss, um diese auch zu leben. Nicht nur die Erwartungen anderer geben der Haifischfrau ein Gefühl von Enge. Hinzu kommt die Vergangenheit, welche teils unbewältigt, die Fühler nach ihr ausstreckt und sie zu etwas machen möchte, wovon sie nicht mehr weiß, ob sie diese Rolle ausfüllen kann.

Was auch immer dir das Gefühl gibt, lebendig zu sein, solltest du nicht unterdrücken. Wenn es dich glücklich macht, solltest du es weiterverfolgen.” (S. 36)

Eine traumhafte Kulisse und eine bemerkenswerte Protagonistin, in deren Brust das wilde Herz des Meeres schlägt, machen “Shark Club” von Ann Kidd Taylor zu einem überaus lesenswerten Sommerroman.

Informationen zum Buch:

Shark Club – Eine Liebe so ewig wie das Meer
Ann Kidd Taylor
Penguin Verlag

2 Replies to “Shark Club von Ann Kidd Taylor (Rezension)

  1. Das hast du wieder sehr interessant beschrieben. Ein aussergewöhnliches und wichtiges Thema. Aber 80 Millionen? Ich wusste gar nicht, dass es soviele Haie gibt. Das Verhältnis 80 Mio. zu 4 ist ziemlich lächerlich für all die Panik, die immer gemacht wird. Da sterben ja mehr durch Autounfälle und Selbstmord … gar nicht zu sprechen von Krankheiten und Krieg.

    1. Da habe ich auch ganz schön gestaunt. Das Buch beleuchtet das Leben der Haie auf eine für mich neue und sehr warmherzige Weise. So eine tiefe liebe zum Meer, wie die Protagonistin sie empfindet, lässt auch beim Leser ein bisschen die Angst vor den Untiefen und dessen Bewohnern verschwinden. Faszinierend war auch der Artenreichtum. Zitronenhai – klingt das nicht schön? 😉

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