Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand (Rezension)

Als Glenn in den Sommerferien Verona besucht, spricht er nicht mehr als ein paar Floskeln Italienisch. Die Sprache zu lernen, ist dem Lehrer aus Kanada, der an der Highschool Shakespeare unterrichtet, allerdings nicht so wichtig. Der unglücklich verliebte Glenn möchte die Melodie des Herzens ergründen. Und niemand anderes als Julia aus Shakespeares berühmtesten Drama soll ihm dabei helfen.

Ein Sekretär im Club di Giulietta

Täglich fluten Liebesbriefe aus der ganzen Welt den Club der Julias, der vor knapp dreißig Jahren von dem einstigen Bäcker Giulio Tamassia gegründet wurde. Inzwischen hat seine Tochter Giovanna das Büro übernommen. Die Sekretärinnen arbeiten alle ehrenamtlich, um den zumeist unglücklichen Verliebten einen Rat zu erteilen. Glenn Dixon ist der erste Mann, der sich dem Club der Julias anschließt und er merkt schon bald, dass es gar nicht so einfach ist, die Liebe zu verstehen. Doch je inständiger Glenn versucht, Antworten auf die Fragen der Briefeschreiber zu finden, umso mehr verändert er sein eigenes Schicksal.

Briefkasten des Clubs an Julias Haus

Poetisch. Atmosphärisch dicht.

“Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand” ist ein überaus hoffnungsvolles Buch über Neuanfänge und das schönste und größte aller Gefühle. Glenn Dixons biografische Schreibe, die sich wie ein Netz um den Kern aus der dramatischen Verbindung zwischen Romeo und Julia legt, katapultiert Shakespeare in die Moderne und macht ihn als Empathen gegenwärtig. Der Lehrer Glenn wird durch seine Leidenschaft für das Shakespeare-Drama für seine Schüler, von denen er immer wieder berichtet, zum Transformator ihrer eigenen Gefühle. Mit “Romeo und Julia” hilft er ihnen sich selbst und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen.

Die erste Bronzestatue der Julia. Die Berührung der rechten Brust soll Glück bringen. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr das kleine Loch (hier im Bild links). Die Statue wurde so oft angefasst, dass an dieser Stelle das Metall aufbrach.

“Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand” entpuppt sich als fantastischer Reiseführer

Wir haben vor kurzer Zeit Urlaub in Italien gemacht. Und wir nutzen auch die Gelegenheit, um das wunderschöne Verona zu besuchen. Im Gegensatz zu Glenn Dixon, der hier mehrere Monate verbrachte, dauerte unser Aufenthalt nur ein paar Stunden. Natürlich haben wir Julias Haus besichtigt und auch die beste Eisdiele Veronas aufgestöbert, von der Glenn in seinem Buch schwärmt. Und ganz ehrlich, schon eine Kugel der “Julia Eiscreme” lohnt den Besuch. Vor allem aber dieses ureigene, ganz bezaubernde Flair, von dem Glenn Dixon schreibt, offenbarte sich bei unseren Streifzügen durch die Gassen und beim Flanieren über die Plätze der Altstadt. Wer also eine Reise nach Verona plant, sollte vorab “Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand” lesen. Und wer weiß, welche Suche euch antreibt, eventuell findet ihr hier mehr als nur das allerbeste Eis.

Der berühmte Balkon. Übrigens wurde er erst 1937 an das Haus angebaut. Es handelt sich um einen alten römischen Steinsarg.

 

Informationen zum Buch:

Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand
Glenn Dixoon
Kiepenheuer & Witsch

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