Der Kaktus von Sarah Haywood (Rezension)

Susan Green liebt neben ihrer Kakteenzucht große Zahlen und kleine Buchstaben. Mit Gefühlen kann die fünfundvierzigjährige Versicherungsmathematikerin nicht viel anfangen. Als ihre Mutter stirbt, ihr Bruder im Elternhaus Chaos zu stiften droht und ihr zudem klar wird, dass die anhaltende Übelkeit nicht von verdorbenem Essen kommt, erkennt Susan mit einem Mal, dass sie nicht alles im Leben kontrollieren kann.

Zwölf Jahre lang führt Susan mit dem nach außen hin ebenso gefühlsbeherrschten Richard eine Mittwochabend-Beziehung. Die Verbindung, die aus kulturellen Erlebnissen und Intimitäten ohne Liebe besteht, funktioniert solange bis Susan merkt, dass sie schwanger ist. Dann will sie mit diesem Arrangement nicht mehr leben. Und das obwohl Richard ihr kühn, aber gänzlich leidenschaftslos, eine neue Art von Beziehung vorschlägt. Lieber will Susan das Kind allein großziehen. Egal, welche Hürden sich ihr dabei in den Weg stellen. Doch da hat sie die Rechnung nicht mit dem Schicksal gemacht, das in Gestalt eines großen, tollpatschigen Landschaftsgärtners namens Rob daher kommt. Der wohnt bei ihrem verhassten Bruder, mit dem sie sich gerade um das Erbe der verstorbenen Mutter streitet.

So ein Baby im Bauch krempelt das Leben eines Menschen gänzlich um. “Der Kaktus” von Sarah Haywood erzählt die tragisch komische Geschichte einer Frau, die auf Grund ihrer schwierigen Kindheit begann, ihre Emotionen zu unterdrücken. Aber das Leben ist keine Rechenaufgabe, das man mit reiner Logik besteht. Neben der eigenen Mutterschaft, auf die sich Susan vorbereitet, muss sie nach dem Tod der Mutter auch noch einmal zurück in die Vergangenheit reisen. Der heftige Erbstreit, der zwischen ihr und dem Bruder Edward entbrannt ist, wirbelt die komplette, gut konstruierte Familienkonstellation nebst Tante und Cousinen durcheinander. Susan muss erkennen, dass erst die Veränderung von äußeren Umständen uns dazu bringen, uns aus unseren Mustern zu lösen.

“Der Kaktus” ist ein überaus humorvoller Roman voller lebensnaher Dialoge aus Sicht einer Frau, die mit ihren Emotionen hadert. Sarah Haywood brilliert in ihrem Debüt mit unverblümter Ehrlichkeit und herrlicher Situationskomik.

Informationen zum Buch:

Der Kaktus – Wie Miss Green zu küssen lernte
Sarah Haywood
Pendo Verlag (Piper)

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