Unsere Jahre in Miller's Valley – Anna Quindlen (Rezension)

Was bedeutet Heimat? Genau das fragt sich die elfjährige Mimi Miller, als sie erfährt, dass der kleine Ort, in dem sie aufwächst, geflutet werden soll. Seit Generationen leben die Millers hier und haben sich mehr oder weniger mit den Hochwassereinbrüchen im Tal arrangiert. Während sich ein Großteil der Dorfgemeinschaft gegen die Beschlüsse der Regierung zu wehren versucht, Miller’s Valley in ein Naherholungsgebiet zu verwandeln, stößt Mimi bei den Recherchen für ein Schulprojekt auf gute Gründe für eine Evakuierung.

Unsere Jahre in Millers Valley von Anna Quindlen
Ein Haus macht noch lange kein Zuhause. Dessen ist sich Mimis Mutter sicher, wohingegen der Vater seine Farm niemals verlassen würde. Auch die verrückte Tante, die im Häuschen nebenan wohnt und seit Jahren keinen Fuß mehr vor die Tür gesetzt hat, denkt nicht im Traum daran, fortzugehen. Donald, Mimis bester Freund, allerdings muss Millers Valley und seinen Großeltern den Rücken kehren, als seine umtriebige Mutter sich neu verheiratet. Mimis Bruder Tommy taucht nach dem Kriegsdienst zwar wieder zu Hause auf, hat aber einen Teil seiner Selbst in Vietnam gelassen und verkümmert zusehends.
Anna Quindlen schreibt in “Unsere Jahre in Miller’s Valley” nicht nur darüber, wie es sich anfühlt, wenn Orte von der Landkarte getilgt werden, sondern auch wie aus einst geliebten Menschen Fremde werden können, so dass sich jene Empfindung von tiefer Vertrautheit in einen leeren Hohlraum verwandelt. Gerade der Verlust des Bruders und die Veränderungen des Vaters im Zeichen von Krankheit, lassen Mimi in den Jahren des Heranreifens zur jungen Frau begreifen, dass Kindheitserinnerungen nicht unweigerlich an einen Ort gebunden sind.
Teils melancholisch, zuweilen hart und unversöhnlich was den Beginn eines neuen Lebens betrifft, zeigt die Autorin aber vor allem ermutigende Töne, die den Lebensweg der Protagonistin begleiten. “Unsere Jahre in Miller’s Valley” erzählt kraftvoll von der Unabänderbarkeit des Vergehens, vom Loslassen und vom Weitergeben des Lebens an die Generationen, die der eigenen folgen. Es ist ein ewiges Fortschreiten menschlicher Beziehungen, auch wenn Kindheitsorte sich längst verwandelt haben.
Informationen zum Buch:

Unsere Jahre in Miller’s Valley
Anna Quindlen
DVA

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