Der Appell von Jesus an die Welt – Franz Alt (Rezension)

Die Bibel ist seit Jahrhunderten ein Kassenschlager, täglich werden neue Bücher über Jesus veröffentlicht und dennoch scheinen wir die Worte der Bergpredigt längst nicht so verinnerlicht zu haben, dass wir dazu fähig wären, ihren Tenor auch zu leben. Meist kreisen wir um uns selbst in einer Welt, die von Umweltzerstörung, Materialismus und atomaren Wettrüsten bedroht wird. Wie finden wir heraus aus dieser Sackgasse? Franz Alt, tiefgläubiger Journalist und Verfechter erneuerbarer Energien, traf sich am See von Genezareth mit dem wohl größten Experten für Völkerverständigung und Frieden. Sein Gesprächspartner war niemand geringeres als Jesus selbst.

franzalt

Natürlich weiß Franz Alt um die Provokation, welche solch ein fiktives Gespräch mit dem Gottessohn darstellt. Doch ganz bewusst hat er diese Form gewählt, um im Dialog auf die Botschaft Jesus und seine Predigten über Liebe, Mitgefühl und Toleranz aufmerksam zu machen. Allerdings beruft sich Franz Alt hier nicht auf das gedruckte biblische Wort, sondern holt das Urchristentum, befreit von all seinen Übersetzungsfehlern, ins Hier und Jetzt, um sich Rat einzuholen. Gezielt stellt er Jesus Fragen, die den Mensch der Gegenwart betreffen.

Franz Alt zeigt uns in seinem Buch einen umweltbewussten Jesus, einen Streiter für Frieden und Gewaltlosigkeit, einen, der sich leidenschaftlich für Frauen- und Kinderrechte einsetzt und die Kirche von ihrer Panikmacherei befreien will. “Dass Liebe größer ist als alle Religionen, ist eine Botschaft der Frauen”, lässt Franz Alt Jesus beinah ehrfürchtig betonen und erinnert auch daran, dass wir öfter mal die Frage stellen sollten, was wir selbst eigentlich tun können, um eine friedlichere und liebevollere Welt zu erschaffen – eine Welt, die derzeit von Atomkriegen und Klimaerwärmung bedroht wird. Hierin sieht Franz Alt die aktuell größten Probleme der Menschheit und lässt Jesus einen Lösungsweg aufzeichnen, der einfach umzusetzen wäre, würden wir alle Angstgedanken und Machtansprüche fallen lassen. Hier kommt ein Mann zu Wort, der zur Gewaltfreiheit aufruft und Hass durch Feindesliebe ersetzt.

Manch einer mag Franz Alt ökologische Propaganda und christliches Bekehrungspathos vorwerfen, aber als Mutter möchte ich die Kritiker gern fragen, welche Welt sie sich für ihre Kinder wünschen. Fukushima wird heruntergespielt. Es wird da weiter gemacht, wo wir einen anderen Weg einschlagen sollten. Das Mehr um jeden Preis wird uns irgendwann zur Last, die uns zu erdrücken droht. Die Sehnsucht nach einer gewaltfreien Welt widerspricht dem Wettrüsten. Und der Wunsch nach Weltfrieden wird zur Utopie erklärt, betrachtet man die vier Milliarden Dollar, die weltweit jeden Tag für Rüstung und Militär ausgegeben werden (Vgl. S. 32).
Als Journalist stellt Franz Alt jene Fragen, die vielen Menschen auf der Seele brennen und verwandelt sie im Zwiegespräch in Antworten, die richtungsweisend die Welt verbessern wollen.

“Der Appell von Jesus an die Welt” mag als schmales Bändchen mit kaum mehr als hundert Seiten stattlicheren Werken christlicher Thematik unterlegen erscheinen, doch enthält das Buch genau den Schlüssel, der uns das Tor zum Herzensweg öffnen möchte.

Informationen zum Buch:

Der Appell von Jesus an die Welt – Liebe und Frieden sind möglich
Franz Alt
Benevento
ISBN: 978-3710900303
Preis: 10,00 Euro

0 Replies to “Der Appell von Jesus an die Welt – Franz Alt (Rezension)

    1. Ja, das hoffe ich auch. Auf der Leipziger Buchmesse habe ich mich mit Franz Alt unterhalten können und war beeindruckt von seiner offenen und heiteren Art. Schmackhaft hat er mir sein Buch “Was Jesus wirklich gesagt hat” gemacht. Hier spürt er der aramäischen Sprache nach und deckt Fehlübersetzungen der Bibel auf. Das hört sich ziemlich interessant an. Ich werde das Buch demnächst lesen und vorstellen.

  1. Da gibt es ja auch die Schriften von Nag Hammadi, alte Evangelien, die sich recht anders lesen als in der heutigen Bibel. Ganz zu Anfang in meiner Blog-“Karriere” habe ich unter anderem mal ein aramäisches
    Vaterunser gepostet; ich habe die deutsche Übersetzung geschrieben vom Englischen. Das ist auch Recht anders als unsere moderne Version … 😉 Für mich macht die ursprüngliche Version viel mehr Sinn.
    Ich wollte verlinken, aber das scheint nicht zu funktionieren, daher hier der Link: https://birgitdiestarkeblog.wordpress.com/2015/11/22/manchmal-findet-man-perlen-in-einer-scheune/

  2. Hallo Stella,
    das klingt ja nach einem interessanten Buch 🙂 Auf jeden Fall ein spannendes Thema. Du schreibst, man könnte dem Buch christliches Erklärungspathos vorwerfen. Beziehst Du das eher auf das Thema und den Umstand, dass es eben ein Appell ist oder meinst Du damit den Schreibstil? Ersteres wäre für mich kein Problem, letzteres schon eher. Ich bin einfach keine Freundin des pathetischen Schreibstils. Vielleicht werde ich mir das Buch trotzdem mal eher anschauen. Wenn der Inhalt wirklich gut ist, kann ich zur Not auch mal über etwas Pathos hinwegsehen.
    Liebe Grüße
    Claudia

    1. Liebe Claudia,
      ich beziehe es auf das christliche Thema. Gerade hier im Osten leben viele Atheisten, da zu DDR Zeiten die Kirche eher unterdrückt wurde. Statt Taufe und Konfirmation gab es die Jugendweihe und statt Religion und Ethik Staatsbürgerkunde. Wichtige Lebensfragen wurden nicht gestellt und eine Beziehung zu Gott ist gar nicht erst entstanden. Einen Atheisten mit Jesus und dem Glauben zu konfrontieren, kann also durchaus zum Konflikt führen und so jener besagte Vorwurf entstehen. Letztlich aber soll und darf jeder selbst entscheiden, ob er trotz fehlendem Glauben ein Buch über Jesus lesen möchte. Die Werte, die hier vermittelt werden, gehen in jedem Fall jeden Menschen etwas an.
      Alles Liebe
      Katja

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