Die Kraft der Gedanken – ein achtsamer Umgang mit uns selbst

Du bist, was du denkst, heißt es. “Unser Leben ist das Produkt unser Gedanken”, sagte einst Marc Aurel. Aber warum bekommen wir eigentlich nicht von Kindesbeinen an beigebracht, dass es auch in unserer Macht steht, dieses Denken ganz gezielt zu beeinflussen? Mit dem Tag unser Geburt verweben sich Muster in uns, durch Erfahrungen und Erziehung. Ein oft in der Kindheit gehörter Satz voller Negativität, kann sich derart manifestieren, dass er für uns zum Glaubenssatz wird. Ein Vorwurf durch Mutter oder Vater, ein unbedachtes Wort von Freunden rumort in uns, vielleicht nur unterschwellig, aber vielleicht verwandeln sich die Worte auch irgendwann, kratzen an uns oder türmen sich in unseren Köpfen zu einer gnadenlosen Selbstanklage auf.

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Danke an Leon Biss, Unsplash.com


Neugeborene kommen ohne Ego auf die Welt

Ich bin vorletzte Woche zum ersten Mal Tante geworden. Es war ein großes Glück für die ganze Familie, erneut ein so süßes, kleines Geschöpf begrüßen zu dürfen! Als ich dieses zarte Wesen zum ersten Mal sah, spürte ich wieder einmal diese Wucht des göttlichen Frieden, der von allen Neuankömmlingen ausgeht, diese Reinheit, dieses freundliche Leuchten des Selbst, das noch völlig unbemantelt vom Ego ist, völlig frei von allerlei Äußerungen, ein Leuchten, das man unbedingt behüten und beschützen möchte. Diese reine Freude ist ein kostbares Geschenk, das in uns allen liegt, manchmal ist es nur verschüttet.

Wenn kleine Kinder lachen, tun sie es voller Unbeschwertheit. Das Kichern scheint den ganzen Körper zum Beben zu bringen, kriecht in jede Pore und verwandelt die Augen in funkelnde Glückssterne. Viele Menschen verlieren irgendwann dieses Strahlen. Wann begegnen wir in unserem Leben eigentlich das erste Mal jener Unzufriedenheit über uns selbst? Wann werden die ersten Selbstzweifel gesät? Was ist es, dass unseren Glauben an uns selbst derart erschüttert, dass wir uns davon schwer erholen?

Haben wir die Macht über unsere Gedanken oder die Gedanken über uns?

Eckhart Tolle spricht von der Identifikation mit dem Verstand. Wir können nicht mit dem Denken aufhören. Wir grübeln über die vermeintlichen Schwachstellen in unserem Leben nach und vergleichen uns permanent mit anderen. Mit einem Bein hängen wir in der Vergangenheit, mit dem anderen in unseren Zukunftsträumen. Im Hier und Jetzt fühlen wir uns nicht genug, weil wir ja sowieso nicht mit all unseren Sinnen anwesend sind.

Kleine Kinder denken nicht an Vergangenes, sie ersehnen nicht ständig die Zukunft, in der alles besser zu sein scheint (von Festtagen, auf die man sich vorfreut, mal abgesehen). Kleine Kinder sind Meister der Gegenwart und auch Meister der Freude. Zwischen beiden gibt es einen unumstrittenen Zusammenhang. Mein jüngster Sohn rannte gestern jauchzend einem davonwehenden Blatt hinterher und konnte sich vor lauter Vergnügen kaum halten. Er ließ sich in seiner Freude von niemandem stören.

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Danke an Kelley Bozarth, Unspalsh.com

 

Das Leben ist kein Zuckerschlecken und ein Ponyhof schon gar nicht, werden manche sagen. Wir haben genug mit unseren Sorgen zu kämpfen, um uns noch an einem im Wind tanzenden Blatt zu freuen. Aber warum eigentlich nicht? Grübeln und Sich-Sorgen lösen unsere Probleme meistens auch nicht, vor allem wenn es dabei um Dinge geht, die längst vergangen sind oder über die wir keine Kontrolle haben – so gern wir uns diese Allmacht auch wünschen. Und das Absurdeste am Zergrübeln der Dinge ist, dass sich vieles nur in unserem Kopf abspielt und überhaupt gar nicht in der äußeren Welt stattfindet.

Wir dürfen uns durchaus immer wieder bewusst machen, dass wir nicht die Worte sind, die über uns gesprochen werden. Wir sind nicht dazu gezwungen, ungefilterte Aussagen willfährig zu unseren Gedanken zu machen. Und wir sollten uns vor allem nicht ständig alles glauben, was wir von uns denken. Diesen oder jenen negativen Gedanken über uns, der niemals die ganze Wahrheit über unser Dasein enthalten wird, wir dürfen ihn loslassen.

Selbstbeobachtung verurteilt nicht, beschönigt nichts, sieht nur genau hin, wenn wir wieder einmal an der Klippe stehen und unsere ganze Freude über unser Dasein abzustürzen droht. Die Innenschau kann uns an jenen Stellen ein “Aha” schenken, an denen uns die Negativität aus dem Gleichgewicht zu bringen droht. Es ist ein achtsames Denken, das Übung erfordert, aber sich lohnt. Jeder hat die Fähigkeit mitbekommen, dieses freundliche Leuchten in sich zu spüren. Ich glaube, genau darin liegt das Glück des Augenblicks.

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Danke an Noah Silliman, Unsplash.com

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