Veränderungen

Der alte Schrank ist morsch geworden. Die Schubladen klemmen ständig und die Tür kreischt beim Öffnen und Schließen. Die Kleiderstange hat sich krumm gehangen von der Last meiner Sachen. Es ist zu eng da drinnen, zu dunkel und zu stickig. Und wo kommen eigentlich die Löcher in meinem Pullover her?

Ich konnte mir lange Zeit nicht richtig vorstellen, mich von diesem Schrank zu trennen, trotz der Defizite und dem daraus resultierenden Wissen, dass er immer weniger zu meinem Leben passte. Jahr um Jahr bot er schließlich Schutz und Sicherheit für den ganzen Kram, den man so anhäuft.

Es gibt Umstände im Leben, die sich irgendwann festfahren, deren Gewicht immer schwerer zu tragen ist. Gewohnheiten, die uns im Fluss der Zeit zum Stolpern bringen.

Das Schicksal meint es gut mit mir. Der Schrank ist eingestürzt und fortgeräumt. Der Verlust hinterlässt weder Beulen noch einen angestoßenen Zeh. Meine Sachen liegen noch ein bisschen wüst durcheinander. Es braucht Zeit, sie zu sortieren. Aber die habe ich jetzt genug. Ich habe Zeit, mich nach einem neuen Schrank umzuschauen oder mir selbst einen zu bauen.

Der morsche Schrank war mein alter Job.

Ich bin nicht traurig, nicht wütend, nur dankbar für alles, was gut war. Jetzt ist es Zeit, loszulassen. “I’m a dark horse”, sang George Harrison einst, was soviel bedeutete wie “Ich bin ein unbeschriebenes Blatt”. Es endet ein Kapitel in meinem Buch. Eine leere Seite liegt vor mir. Sie macht mir keine Angst mehr. Ich nehme den Stift in die Hand und schreibe ein paar neue Zeilen.

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Bildquelle: unsplash

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