Die Liebe hinter scharfen Zähnen

Ein ruhiges Meer, in dem Menschen baden. Ein Lachen, ein Ruf, eine kleine Unterhaltung. Dann zertrümmert ein Donnergrollen all die Menschenstimmen. Das Wasser spuckt riesige scharfkantige Mäuler aus. Ein Haifisch nach dem anderen durchbricht die spiegelglatte Oberfläche und verschlingt mit starrem Blick alles Leben. Ich sitze wie betäubt unter einem anthrazitfarbenen Himmel und kann nur hilflos zuschauen. Ich bin gelähmt, doch die Angst, die in mir empor kriecht, ätzt mir Löcher in den Bauch. Die Szenerie spielt sich nur in meinem Kopf ab. Ich habe einen Alptraum.

Ein Wimpernschlag zerreißt das Bild und ich finde mich warm zugedeckt in meinem Bett wieder. Nach dem Aufwachen frage ich mich, warum ich von Haifischen träume und was mir mein Unterbewusstsein damit sagen möchte. Die Angst vor dem Tod, die Angst vor dem plötzlichen Verschwinden geliebter Menschen, die Angst vor einer Angst, in der ich mich hilflos fühle. Steigen Urängste in unseren Träumen auf, wenn es uns an Vertrauen mangelt – in uns selbst, ins Leben, in die allmächtige Kraft?

Später erinnere ich mich, dass ich am Sonntag beim Zappen über den Film „Der weiße Hai“ gestolpert bin, der abends auf Arte lief. Nur wenige Minuten blieb ich hängen, genau bis zum ersten Haiangriff, ehe ich den Sender wechselte.

Der Film weckt seit jeher Ängste. Der von Steven Spielberg als hochgradig aggressiv gezeichnete Meeresbewohner symbolisiert die Unberechenbarkeit der Natur, die wir so sehr fürchten, dass wir sie zähmen wollen. Inzwischen ist der weiße Hai vom Aussterben bedroht. Unsere Angst vor der Unberechenbarkeit nicht.

Was bleibt, ist der Angst einen Platz zu geben. Wir können nicht alles kontrollieren. Aber wir können versuchen, Vertrauen zu erlangen, uns selbst vertrauen und anderen. Wir können an eine universelle Macht glauben, die es gut mit uns meint. Wir können an eine Kraft glauben, die das Haifischbecken verwandelt, die dem Tier die Monsterfratze wegreißt und sie zu einem von Gottes Geschöpfen macht. Ein Tier mit Emotionen, das nur den Menschen angreift, wenn es sehr hungrig ist.

Vielleicht ist unsere eigene scharfkantige Angst einfach nur ein Hunger, der Wunsch nach jenem Sattwerden, das die in den Bauch geätzten Löcher füllt?

Ja, ich fürchte mich manchmal ungemein. Aber etwas ist größer als das. Ich kann einer Kraft erlauben mich zu fluten, wenn ich mein Herz öffne. Man sagt, das, was man bedingungslos gibt, strömt tausendfach zurück. Man nennt es Lieben.

 

5 Gedanken zu “Die Liebe hinter scharfen Zähnen

  1. Angst lähmt uns, in unserem Handeln und unserer Entwicklung. Aber ohne jede Angst hätte man auch keine Gelegenheit zum Mut. Mut ist die Überwindung von Angst. Jedes Mal wenn wir eine unserer Ängste besiegen, sind wir kleine HeldInnen.

    Wenn man die Angst vor dem Tod überwindet, hat man wohl die grösste aller Ängste besiegt, die vielen anderen zugrunde liegt.

    Aber dann ist da die Angst, die man um andere hat, besonders Kinder, Was ist, wenn ich zu früh gehe, was wird dann aus ihnen? Da wird das Gottvertrauen auf eine harte Probe gestellt. Das ist das häufigste Thema, wenn ich mal (selten) einen Albtraum habe, dass meinem Mann was passiert.

    Befreiung ist, wenn man sich wirklich in die Hand der göttlichen Kraft begibt und nicht dauernd alles selbst unter Kontrolle haben will. Das ist sowieso Illusion … 😉

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  2. … ja Angst lähmt und warnt uns in unseren Träumen … Angst ist der angeborene Selbsterhaltungstrieb in uns …
    ich habe oft Angst mich selbst zu verlieren und in meinem INNEREN umher zu irren … denn der Herbst des Lebens naht schneller als ich es zu begreifen vermag –
    unverhofft kommt schnell und oft …
    in einem längst verstaubtem Alptraum haben mich böse Hunde mit flätschenden Zähnen immer – und immer wieder überfallen – obwohl neben mir gut bekannte Gesichter auf einer Bank saßen – sie konnten mir nicht helfen – ich habe mich selbst schreien hören – ich bin dabei mit Tränen überströmt und vom Schweiß gebadet letztendlich erlösend aufgewacht …und noch lange schluchzend – festkrallend an der Seite meines Mannes endlich beruhigt wieder eingeschlafen … für mich war es mehr als nur ein Alptraum … ein Horror Szenario

    liebe Grüße … wieder zu Hause in Germany angekommen
    die zuzaly

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  3. unser Unterbewusstsein speichert viel mehr Informationen als uns lieb ist … wir verarbeiten nur einen winzigen Teil davon … auch unser Gehirn setzt Prioritäten – sonst würden wir in einen Dauerschlaf fallen … gut so 🙂
    lg. die zuza (schon wieder :D)

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