Die Berufung für Hochsensible von Luca Rohleder (Rezension)

„Warum bin ich so?“, fragen sich Menschen, wenn sie spüren, dass sie empfindlicher reagieren als andere, wenn sie das Aufeinandertreffen mit vielen Personen erschöpft oder sie ständig auf der Suche nach etwas sind, das sie mit tiefer Freude erfüllt. Oft erfahren die Betroffenen erst relativ spät von ihrer Hochsensibilität. Unzufriedenheit hat sich dann vielleicht schon im ein oder anderen Lebensbereich eingestellt und vor allem der Berufsweg scheint mit Stolpersteinen gepflastert zu sein. Der Jobcoach Luca Rohleder, selbst Hochsensibler, setzt hier an und will mit seinem Ratgeber Hochsensiblen Personen (HSP) eine Hilfestellung für die „Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch“ geben.

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Im ersten Teil des Buches erklärt Luca Rohleder ein von ihm entwickeltes Konzept über das Wesen der HSP. Er beschreibt dabei die drei ICHs, die im Hochsensiblen vereinigt sind: das Neugeborene-Ich, das Höhere-Ich und das Erwachsenen-Ich. Im Gegensatz zum Inneren Kind, von dem in der Psychologie oft die Rede ist, handelt es sich beim Neugeborenen-Ich der HSP um einen deutlich empfindlicheren Anteil, was viele Charaktermerkmale dieser Menschen sehr gut erklärt. Luca Rohleder bezieht in seinem Modell zudem einen spirituellen Aspekt mit ein. Das Höhere-Ich stellt die Verbindung zur Unsichtbaren Welt dar, zu der ein Hochsensibler Zugang hat bzw. haben kann, stünde dem nicht die Vergeistigung entgegen. Darin sieht Herr Rohleder die größte Gefahr. Ehe er ganz gezielt Ratschläge gibt, um dies aufzulösen, verdeutlicht der Autor die Fähigkeiten der HSP.

Auf den Punkt „Freiheit“ möchte ich kurz eingehen und mit dem Thema „Mutterschaft“ verknüpfen. Luca Rohleder ist der Meinung, Hochsensible streben generell nach Unabhängigkeit, Bindungen würden oft Energie fressen und so sollte man loslassen. Familie würde von vielen HSP als Belastung empfunden, konventionelle Bindungen daher eher nicht eingegangen. Ich vermute, viele hochsensible Mütter wissen ganz genau um den Raum und die Zeit, die sie für sich selbst brauchen, wären deshalb aber im Vorfeld nicht auf den Gedanken gekommen, keine Familie zu gründen und auf Kinder zu verzichten. Die hochsensible Mutter ist, auch wenn sie sich während der Baby- und Kleinkindjahre wohl oft am Rande der Erschöpfung befindet, durch ihre Empfindsamkeit gerade in der Lage, die Gefühlswelt ihrer Kinder zu spiegeln und sich in ihre Nachkommen hineinzuversetzen. Mutterliebe wird auch Traurigkeit, Wut und Angst aushalten.

Dessen ungeachtet werden Betroffene viele der vom Autor beschriebenen Wesensmerkmale bestätigen und sicher auch überraschende Ergänzungen finden, die sie vorher zwar in sich spürten, aber nicht genau zu benennen wussten.

Der dritte Teil des Buches befasst sich ganz und gar mit den Techniken des Loslassens. Erst die geerdete HSP sei in der Lage, die wahre Berufung zu finden. Gut strukturiert beschreibt Rohleder, wie man eine sichere Verbindung zwischen Kopf und Bauch aufbaut und den Zugang zum Höheren Wissen öffnet.

Anschließend geht es in Richtung Zukunft. Aus der Frage heraus, wann die HSP Arbeitsspaß empfindet, zeigt Luca Rohleder, wie sich daraus die Berufung aufspüren lässt. Überraschend herzlich schließt der Autor seinen Ratgeber und gibt betroffenen Hochsensiblen eine positive Aussicht, ans Ziel ihrer beruflichen Suche zu gelangen und die eigene Kraft zu leben.

Mit genug Offenheit gegenüber dem spirituellen Ansatz der Autors ist „Die Berufung für Hochsensible“ eine taugliche Hilfe, um einen Weg aus dem beruflichen Irrgarten zu finden. Definitiv wird man aber nach der Lektüre des Buches in der Lage sein, die ein oder andere Verstrickung als solche zu erkennen und mit aktiven Zutun auch zu lösen.

Informationen zum Buch:

Die Berufung für Hochsensible
Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch

Luca Rohleder
dielus Edition

Softcover, 220 Seiten
ISBN: 978-3-9815711-4-1
Preis: 22,99 Euro

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