Das zweite Gesicht von Rachel Urquhart (Rezension)

Man schreibt das Jahr 1842. Die Familie Kimball lebt auf einer heruntergewirtschafteten Farm in Massachusetts. Unter ihrem trunksüchtigen, brutalen Vater haben die Kinder Polly und Ben sowie deren Mutter May sehr zu leiden. Sie leben in ständiger Angst vor den Gewalttaten des stets unzufriedenen Mannes. Eines Abends erträgt die 15-jährige Polly die Demütigungen nicht mehr. Sie zündet die Farm an und lässt den betrunkenen, schlafenden Vater zurück. Mit ihrem Bruder kommt sie in einer strengreligiösen Shaker-Gemeinde unter. Aber trotz aller Hoffnung, scheint sie auch hier keinen Ort des Friedens zu finden.

Das zweite Gesicht von Rachel Urquhart
Das zweite Gesicht von Rachel Urquhart

Mit „Das zweite Gesicht“ präsentiert die New Yorker Autorin Rachel Urquhart ihr Romandebüt. Sie taucht in menschliche Abgründe ein und zeichnet skrupellose Tyrannen, gegen die sich Frauen, Kinder und Mittellose in jener Zeit kaum wehren konnten. Dagegen stellt sie die tiefgläubigen Shakers, welche den Rechtlosen, den Waisen und den Armen helfen, wenn diese nach ihren Regeln leben. Familien werden getrennt. Sauberkeit, Fleiß und ein zölibatäres Leben haben oberste Priorität. Männer und Frauen dürfen keinen Blickkontakt halten oder miteinander sprechen, es sei denn, die Ältesten erlauben dies. In rituellen Schütteltänzen huldigen sie Gott und ehren jene unter ihnen, die Visionen von ihrer Gründerin, Mutter Ann, empfangen.

Auch die Protagonistin des Buches, Polly Kimball, ist mit der Gabe des zweiten Gesichts gesegnet. Das sorgt anfänglich für einige Aufregung und gibt ihr eine besondere Stellung innerhalb jener Gemeinde, die sich „Stadt der Hoffnung“ nennt. Doch Polly trägt zu viel Kummer aus der Vergangenheit in sich, als dass es ihr möglich wäre, sich trotz der sanften Zuwendung durch Schwester Charity, komplett in die Gruppe zu integrieren. Hinzu kommen die Ermittlungen durch den Brandinspektor Simon Pryor, der die Vorgänge in der Brandnacht auf dem Anwesen der Kimballs aufklären soll. Bald fragt sich dieser, ob es wirklich ein Unfall war oder ein Familienmitglied mit Absicht handelte. Pryor macht sich auf die Suche nach Polly, Ben und deren inzwischen verschwundenen Mutter.

„Das zweite Gesicht“ hat mir trotz aller düsterer Dramatik sehr gut gefallen. Die Autorin versteht es, jene dunklen Knoten aufzuknüpfen und den Hoffnungslosen eine Fackel zu schenken, mit denen sie ihr Leben erhellen dürfen.

Informationen zum Buch:

Das zweite Gesicht
Rachel Urquhart
btb Verlag

Taschenbuch, Broschur
416 Seiten
ISBN: 978-3-442-71482-7
Preis: 9,99 Euro

2 Gedanken zu “Das zweite Gesicht von Rachel Urquhart (Rezension)

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