Die Märchen von Hans Christian Andersen (Rezension)

Der TASCHEN Verlag hat mich mit einer unvergleichlichen Zusammenstellung ausgewählter Werke des berühmten Märchenerzählers Hans Christian Andersen zutiefst beeindruckt. Die Märchen, denen soviel Herzenskraft innewohnt, tragen mich auf ihren Flügeln in eine Welt, die aus mir wieder ein staunendes Kind macht.

Dies liegt vor allem an Hans Christian Andersens Fähigkeit, seine Umgebung wie ein Kind wahrzunehmen und all die wunderbaren Geschichten mit ihrem Pathos, der Traurigkeit, dem Humor und der Romantik ganz ohne moralischen Fingerzeig zu erzählen. Das war das Besondere zum Zeitpunkt des Erscheinens seiner Märchen. Andersen schrieb nie von oben herab, sondern ging auf Augenhöhe zu seinen kleinen Lesern.

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Selbst hatte Hans Christian Andersen keine leichte Kindheit. Er war ein Außenseiter, wuchs in Armut auf. Der Weg zu einem der bekanntesten Schriftsteller Skandinaviens war steinig und verlangte viel Talent und Ehrgeiz. Vielleicht finden sich in seinem Märchen Das hässliche, junge Entlein Parallelen.

Die Ausgabe des TASCHEN Verlags enthält 23 ausgesuchte Märchen, darunter Die Prinzessin auf der Erbse, Des Kaisers neue Kleider, Die kleine Seejungfer, Die Schneekönigin, Däumelinchen, Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen, Das Feuerzeug.

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„Die kleine Seejungfer“ von Jennie Harbour

Eingehen möchte ich noch auf das Märchen Die Nachtigalleine so zeitlose Geschichte, die davon berichtet, dass hinter der scheinbaren Glitzerwelt nicht das Versprechen von echter Herzlichkeit liegt.

Vergraben hinter Prunk ist der Kaiser von China taub für die Töne der Natur. Die Nachtigall, die schon viele Jahre in seinem Garten singt, hat er noch nie gehört. Auch sein Hofstaat weiß nichts von ihr. Nur die Menschen, die sich nicht vom Reichtum blenden lassen und reinen Herzens sind, wissen um die Schönheit des Gesangs. Die Nachtigall singt irgendwann bei Hofe und rührt den Kaiser zu Tränen. Als aber ein mit Edelsteinen verzierter Kunstvogel als Geschenk eintrifft, hebt man ihn über den echten Vogel und die Nachtigall verschwindet. Der Kunstvogel ist berechenbar, leicht zu durchschauen. Das gefällt dem Kaiser. Eines Tages funktioniert der Kunstvogel nicht mehr und der Kaiser versinkt in tiefe Traurigkeit. Erst im nahenden Tod erkennt er die Wahrheit in der Nachtigall, als sie inbrünstig für ihn singt. Daraufhin darf er genesen. Andersen schließt humoristisch, als er die Nachtigall sagen lässt:

Um eins bitte ich dich! Erzähle niemand, dass du einen kleinen Vogel hast, der dir alles sagt; dann wird es noch besser gehen!“

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„Däumelinchen“ von Eleanor Vere Boyle

Die Ausgabe des Märchenbuchs enthält Illustrationen verschiedener namhafter Künstler, deren Werke so unterschiedlich sind und doch in der Gesamtheit, das wiedergeben, was Andersens Zauber ausmacht, eine tiefe menschliche Verbundenheit und Liebe zu einem facettenreichen Leben.

Informationen zum Buch:

Die Märchen von Hans Christian Andersen
Noel Daniel (Hg.)
TASCHEN Verlag

Hardcover, in Leinen gebunden, mit Lesebändern
20,5 x 25,6 cm, 320 Seiten

ISBN 978-3-8365-2676-0

Weitere Besprechungen zu Märchenbüchern findet ihr hier:

Märchen der Gebrüder Grimm

Östlich der Sonne und westlich des Mondes

3 Gedanken zu “Die Märchen von Hans Christian Andersen (Rezension)

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