Träume wie Sand und Meer von Beatriz Williams (Rezension)

Es ist ein heißer Sommertag im Jahr 1966, als Tiny, die im Ferienhaus auf Cape Code, die Rückkehr ihres Ehemanns Frank aus Washington erwartet, einen Erpresserbrief erhält. Ein Fehler aus der Vergangenheit bedroht nicht nur ihre Ehe, sondern auch die politische Karriere ihres Mannes, der mitten im Wahlkampf zum Kongressabgeordneten steckt. Frank Hardcastle kehrt nicht allein von seiner Reise zurück. Neben Tinys Schwester Pepper, zu der sie in einem zwiespältigen Verhältnis steht, wird sie plötzlich mit einer Person aus ihrer Vergangenheit konfrontiert: Caspian, gerade aus Vietnam zurückgekehrt, ist nicht nur Franks Cousin, sondern auch Tinys ehemaliger Liebhaber.

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Wieder hat Tiny ein Kind verloren und die Fehlgeburt lässt ihre sonst so kühle und beherrschte Fassade als perfekte Ehefrau an der Seite eines aufstrebenden Politikers bröckeln. Im Schatten ihrer glamourösen Schwester fühlt sie sich unzulänglich und in Caspians Gegenwart muss sie eine Rolle spielen, die jene kompromittierende Fotos des Erpressers sofort widerlegen würden, kämen sie ans Licht der Öffentlichkeit.

Ein goldener Käfig und Druck von allen Seiten machen Tiny zu einer Gefangenen. Die Liebe ihres Lebens und ihre Leidenschaft für das Balletttanzen hat die junge Frau aufgegeben, um zum Wahlkampfmaskottchen eines Mannes zu werden, für den die Beziehung zu Tiny schon lange ein Schauspiel ist, auch wenn er dies angestrengt zu verbergen versucht. Die Familie Hardcastle, deren Erwartungen Tiny bald nicht mehr zu erfüllen vermag, wird für sie zu einer Bedrohung. Nur einer will nicht, dass sie „funktioniert“, sondern sich an ihr Herz erinnert. Aber in aller Bescheidenheit nimmt er sich zurück und bleibt nach außen hin auf Abstand.

Die Geschichte ist auf zwei Zeitebenen angesiedelt. Einmal erzählt Tiny von den Ereignissen des Sommers 1966, während ihre einstige Liebe, Caspian, von der Zeit zwei Jahre zuvor berichtet. Manipulation ist ein Hauptthema des Buches. Einige geben sich auf, um die Erwartungen der Anderen erfüllen. Sie werden zum Spielball und hoffen, damit vielleicht etwas zu bekommen, von dem sie glauben, es würde sie danach verlangen – Macht, Geld, Ansehen. Frank, sein Vater und seine Großmutter stehen in diesen Reihen, auch wenn Frank am Ende ein menschlicheres Gesicht erhält.

Mir gefiel, wie Tiny sich veränderte und auch wie sich die Beziehung zu ihrer Schwester festigte, wie eine Krise beide zueinander und zu sich selbst brachte. Caspian fungiert als edler Ritter, ein einbeiniger Fotograf, groß und stark, mit einem Karamellherzen, das er hinter seiner glänzenden Rüstung versteckt.

Informationen zum Buch

Träume wie Sand und Meer
Beatriz Williams
blanvalet

Paperback, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-7645-0566-0
Preis 14,99 Euro

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