Die Märchen der Brüder Grimm (Buchrezension der TASCHEN Verlag Ausgabe)

Erneut tauche ich ein in die Welt der Märchen. Weltberühmt ist die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm, welche vor über zweihundert Jahren erstmalig veröffentlicht wurde. Die Märchen der Brüder waren mir, wie so vielen anderen auch, treue Kindheitsbegleiter und obwohl mich damals manch Grausamkeit und Gewalt erschreckte, erinnere ich mich auch an den Optimismus und die Hoffnung, welche die Helden stets begleiteten. Der TASCHEN Verlag veröffentlichte eine Auswahl von 27 Grimm’schen Märchen in ungekürzter Originalfassung aus der Ausgabe von 1857. Das Augenmerk dieses Buches liegt vor allem auf der Bebilderung durch Künstler verschiedener Epochen und Nationen.

preview_va_fairytales_grimm_d_1311211726_id_483706
Das Buch vereint Illustrationen zu den Grimm’schen Märchen aus einem Zeitraum von 1820 bis in die 1950er Jahre. Dies verleiht der Ausgabe den Charakter einer kleinen Zeitreise durch die Kunst.

Die Grimms erkannten bereits nach der Veröffentlichung der ersten Auflagen, dass eine Bebilderung der Märchen (erstmalig in der englischen Übersetzung 1823/1826 erschienen), deren Popularität bei den Lesern um ein Vielfaches steigerte. Das wirkte sich zudem förderlich auf die Entwicklung der Buchillustrationen aus.

Einen großen Raum nehmen in der Ausgabe des TASCHEN Verlags Scherenschnitte ein, die die Herausgeberin Noel Daniel ganz besonders würdigt, in dem sie jedem Märchen ein Bild dieser Papierkunst voranstellt und auch Märchen um Scherenschnitte ergänzt, bei denen nur eine einzelne Arbeit des Künstlers zum jeweiligen Märchen vorlag (man muss bedenken, dass vormals hohe Druckkosten oft nur wenige Illustrationen in den Büchern erlaubten). Das Geheimnisvolle, das Schattenhafte dieser Bilder spiegelt für Noel Daniel das Wesen der Märchen wieder:

Einfach und doch voller Bedeutung, ganz wie die Märchen selbst, gleichen sie den Schatten bei einbrechender Dämmerung – dem Moment, in dem alles unbestimmt und fremd wird.“

preview_va_fairytales_grimm_05_1106171426_id_480826
Bildunterschrift: „Sleeping Beauty“ (Dornröschen) illustration by Herbert Leupin, 1946.
© Collection of Herbert Leupin, Switzerland

Mir persönlich gefallen die Illustrationen des aus Schweden stammenden und in die USA übergesiedelten Kinderbuchillustrators Gustaf Tenggren (hier: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Schneeweißchen und Rosenrot) sowie des Schweizer Plakatkünstlers Herbert Leupin (hier: Frau Holle, Dornröschen, Der gestiefelte Kater), der für seine Werke im Stil des Magischen Realismus bekannt ist, am besten. Aber auch Kay Nielsen (hier: Rumpelstilzchen, Die drei Federn, Die zertanzten Schuhe), dessen Arbeiten ich bereits im Buch „Östlich der Sonne und westlich des Mondes“ bestaunen durfte, beeindruckt mich erneut.

preview_va_fairytales_grimm_07_1106171428_id_480857
Bildunterschrift: „The Three Feathers“ (Die drei Federn) illustration by Kay Nielsen, 1925.
Courtesy of the Collection of Kendra and Allan Daniel.

Als Erwachsene finde ich wieder einen leichten Zugang zu den Grimm’schen Märchen. Sie haben für mich nichts von ihrer Symbolkraft verloren. Auch mein ältester Sohn lässt sich mit seinen bald fünf Jahren von der Magie einfangen. Und ich empfinde es als wunderbar, dass seine Kindheit reicher werden darf, um Märchen, die von einem verzauberten König in Gestalt eines Frosches, vom Mut einer Gretel, die ihren Bruder rettet, von einem kleinen Mädchen, die für ihre Güte mit Sterntalern belohnt wird und von einem gewitzten Kater in schönen Stiefeln erzählen.

Folgende Märchen sind im Buch enthalten:

Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich, Der Wolf und die sieben jungen Geißlein, Brüderchen und Schwesterchen, Rapunzel, Hänsel und Gretel, Von dem Fischer und seiner Frau, Das tapfere Schneiderlein, Aschenputtel, Frau Holle, Rotkäppchen, Die Bremer Stadtmusikanten, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Die Wichtelmänner, Daumerling’s Wanderschaft, Dornröschen, Schneewittchen, Rumpelstilzchen, Die drei Federn, Die goldene Gans, Jorinde und Joringel, Die Gänsemagd, Die zertanzten Schuhe, Die Sterntaler, Schneeweißchen und Rosenrot, Der Hase und der Igel, Der gestiefelte Kater, Der goldene Schlüssel.

Die Märchen der Brüder Grimm
Herausgeberin: Noel Daniel
TASCHEN Verlag
Hardcover, in Leinen gebunden, mit Lesebändern, 20,5 x 25,6 cm, 320 Seiten
ISBN 978-3-8365-2673-9
Preis 29,99 Euro

6 Gedanken zu “Die Märchen der Brüder Grimm (Buchrezension der TASCHEN Verlag Ausgabe)

  1. Du bist eine Verführerin, Katja!!! Wo ich mir doch bereits eine schöne Ausgabe von 1000 und einer Nacht ausgeguckt habe … Muss – haben – schnell!

    Bei den nordischen Märchen beschränke ich mich gerade auf ein Märchen pro Tag, damit der Genuss länger anhält. Alleine die Bilder sind ein Traum.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s