Im Schatten das Licht – Jojo Moyes (Buchrezension)

Natashas und Macs Ehe ist ein Scherbenhaufen. Die unnahbare Anwältin und der charmante Fotograf leben offiziell in Scheidung, obwohl zwischen beiden noch eine tiefe sehnsuchtsvolle Verbindung besteht, die sie sich allerdings nicht eingestehen wollen. Da tritt Sarah in ihr Leben, ein vierzehnjähriges Mädchen, welches auf die Unterstützung einer Pflegefamilie angewiesen ist. Doch Sarah hütet ein Geheimnis, das sie um jeden Preis bewahren will, aus Angst, jenes opfern zu müssen, was seit dem Tod ihrer Großmutter der Mittelpunkt ihres Lebens ist.

jojo

Henri Lachapelle, der einst ein berühmter Reiter des Cadre Noir in Frankreich war, kauft nach dem Tod seiner Frau das Pferd Boo und bringt es in einem Londoner Hinterhof unter. Im nächstgelegenen Park unterrichtet Henri seine Enkeltochter fortan im Dressurreiten. Der kupferfarbene Hengst bedeutet bald alles für Sarah und sie nutzt jede Gelegenheit, um mit Boo zu üben. Heimlich träumt sie von Capriole, der Auflösung der Schwerkraft.

Eines Tages jedoch erleidet Henri einen Schlaganfall und ihre Welt gerät aus den Fugen. Ihre einzige Bezugsperson liegt handlungsunfähig im Krankenhaus und ihre finanziellen Mittel, um Boo zu versorgen, sind aufgebraucht. Als sie beim Stehlen im Supermarkt erwischt wird, ergreift die Sorgerechtsanwältin Natasha für sie Partei und nimmt sie bei sich auf. Vor allem ihr Noch-Ehemann Mac drängt sie zu dieser Entscheidung. Sarah wird bald zum Puffer eines kinderlosen Paares, das in Scheidung lebt und deren einzige Kommunikation aus heftigen Streitereien zu bestehen scheint.

Mac kommt eines Tages Sarahs Geheimnis auf die Schliche, als diese wiedereinmal die Schule schwänzt, um bei Boo zu sein. Mac folgt ihr heimlich und als er erkennt, welch Potential in dem Mädchen steckt und welche Liebe sie für ihr Pferd empfindet, beginnen Natasha und er sie zu unterstützen. Nachdem jedoch ein neuer Besitzer, die Ställe in der Sparepenny Lane übernimmt und Sarah bedroht, bleibt ihr nur die Flucht mit Boo. Natasha und Mac, denen Sarah inzwischen mehr bedeutet, als sie je zu ahnen glaubten, nehmen die Verfolgung auf. Auf einer Reise quer durch England und Frankreich, versuchen sie nicht nur ein Mädchen und ihr Pferd zu retten, sondern kommen einander als Mann und Frau wieder näher.

Für mich symbolisierte Sarah jenes Sturm-und-Drang-Gefühl eines mutigen Mädchens, in dem das Feuer eines Lebenstraums brennt. Sie tut alles, um diesen zu verwirklichen und ihre Leidenschaft ist so ansteckend, dass man sich als Leser unweigerlich fragt, was sich im eigenen Leben genauso kraftvoll anfühlt.

Natasha spiegelt dagegen mit ihrer Reserviertheit die andere Seite der Medaille wieder. Ich empfinde großes Mitgefühl, als ich von ihren drei Fehlgeburten erfahre und ihren selbstverletzenden Gedanken über eigene eingeredete Unzulänglichkeiten. Mac und Natasha fehlt die gemeinsame Trauer um die verlorenen Kinder und genau das ließ sie in ihrer Ehe zu Fremden werden. Sarahs Gegenwart jedoch stellt für beide eine neue Chance dar.

Jojo Moyes beweist mit „Im Schatten das Licht“ wieder einmal ein meisterliches Gespür für tiefe Gefühle. Klug und lebensnah erzählt sie von Sehnsüchten, die dem Leben Antrieb geben und uns zu dem machen, wer wir sind.

 

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