Die Schattenschrift von Dana Carpenter (Buchrezension)

Das Mädchen Maus wächst ohne Ahnung ihres richtigen Namens und ihrer Herkunft in einem böhmischen Kloster auf. Das Leben im 13. Jahrhundert mit all seiner Frömmigkeit, aber auch dem Aberglauben und der provinziellen Furcht vor dem Unerklärlichen machen Maus zu einer Ausgestoßenen, denn das Mädchen ist etwas Besonderes. Nur von ihren Vormündern wird ihre Begabung erkannt und gefördert. Heimlich bilden der Abt und die Priorin sie zur Heilerin aus. Aber Maus besitzt nicht nur die Gabe der Heilung. Als sie den jungen König vom Tod rettet, verketten sich beider Leben. Ein gefährliches Abenteuer beginnt, das viele Opfer fordert.

schattenschrift

Mit „Die Schattenschrift“ setzt Dana Carpenter der mittelalterlichen Welt fantastische Elemente hinzu und stellt die Frage nach Gut und Böse. Ungetauft, von jeder Messe und jedem Ritus wird Maus ausgesperrt. Dennoch betet sie im Stillen und ist Gott verbunden. Doch als sie das Leben auf die Probe stellt und sie die Schatten neben dem Licht erkennt, beginnt sie ihren Glauben zu hinterfragen.

Auch für die schlechten Dinge macht Maus bald Gott verantwortlich. Sie unterstellt ihm, ihr alles zu nehmen, was in ihrer Welt zählt. Ihre späteren Jahre in der Wildnis stellen eine Abkehr von allem dar. Ihr einziger Begleiter, der Wolf, symbolisiert durchweg die wilde Natur. Aber auch die lässt Dana Carpenter durch das Böse zerstören. Dem Dunklen wird durch die Autorin eine absolute Macht eingeräumt, die jedes Wesen unterwirft. Die einzige Möglichkeit sich zu wehren, besteht für die Protagonistin darin, ihren eigenen dunklen Kern zu leben. Aber auch das ist stets mit Konsequenzen verbunden.

Maus, die weder Mutter noch Vater kennt und nur eine wage Ahnung hat, woher ihre Ahnen mütterlicherseits stammen, wird sehr spät die Identität ihres Vaters offenbart. Gemeinsam mit dem Schock der Protagonistin über diese Erkenntnis, kippt der Roman. Maus scheint verloren und auch alles, was ihr lieb und teuer ist. Doch weiß Dana Carpenter den Leser erneut zu verblüffen.

Letztendlich steckt der Roman voller überraschender Wendungen. Es ist ein spannendes Buch, aber keines, dass mich glücklich macht und auch nicht machen muss. Es lässt mich nachdenklich zurück mit der Frage, wie wir die Welt, die wir kennen und jene Dinge, die im Verborgenen liegen, gewichten und bewerten wollen.

 

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