Das Haus am Rande der Zeit – Ann Tatlock (Buchrezension)

Man schreibt das Jahr 1968. In einem schwachen Moment betrügt der Pastor Patrick Crane seine Frau Meg und riskiert damit seine Ehe und seinen Job. Er kehrt seiner Gemeinde den Rücken und bezieht mit seiner Familie in den Blue Ridge Mountains ein altes Haus. Während Patrick, von Schuldgefühlen geplagt, sich nicht in seinem neuen Leben zurechtfindet, muss Meg mit ihrer Wut und der bitteren Enttäuschung kämpfen, betrogen worden zu sein. Mürrisch reagiert auch die siebzehnjährige Tochter Linda auf den Umzug in eine Kleinstadt, dessen größte Attraktion eine Eisdiele ist. Nur der achtjährige Digger kann sich ohne weiteres einzufügen. Dann geschehen plötzlich ungewöhnliche Dinge. In dem alten Haus erscheinen fremde Menschen, die nicht in diese Zeit gehören.

Ann Tatlock wagt in ihrem Roman das Experiment, mehrere Zeitebenen aufeinander treffen zu lassen. Eine göttliche Fügung macht es möglich, dass in dem abgelegenen Haus in den Bergen die feste Taktung der Zeit aufgehoben wird. Linda und Digger begegnen Personen aus der Vergangenheit und Patrick und Meg bekommen Besuch aus der Zukunft. Alle Zeitreisenden sind der Familie Crane wohlgesonnen, obwohl es anfänglich einige Aufregung um das plötzliche Erscheinen der Gäste gibt. Die Affäre von Patrick hat die Familie derart entfremdet, dass, so scheint es, nur mit ein bisschen Hilfe von außen ein Schritt in Richtung Versöhnung möglich ist. Als die Cranes gerade beginnen, sich etwas aufeinander zu zubewegen, passiert etwas, dass erneut ihr Familienleben erschüttert.

hausamrandederzeit

Für mich war Ann Tatlocks „Das Haus am Rande der Zeit“ ein vielschichtiger Roman, der das Alpha und das Omega nicht infrage stellt, aber dem Leser dennoch genug Raum zum Zweifeln lässt. Die Autorin verweist ganz sanftmütig darauf, dass wir nur das Hier und Jetzt haben, unsere Zukunftssorgen sich jedoch schmälern lassen, wenn wir Vertrauen entwickeln.

Das Thema Vergebung zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und zeigt auch, dass jenes „ich verzeihe dir“ sich nicht erzwingen lässt, nicht aus Mitleid, nicht aus Angst. Es wäre dann immer nur eine Floskel, die rein gar nichts verändert, außer einen äußeren Schein zu wahren. Frieden empfindet das Herz erst, wenn es wirklich bereit ist, vergangene Schatten ziehen zu lassen – und damit beschwört Ann Tatlock mutig die Macht des Augenblicks, die einzige Zeit, in der unsere Handlungsfähigkeit uns das Leben mit ganzer Kraft spüren lässt.

 

7 Gedanken zu “Das Haus am Rande der Zeit – Ann Tatlock (Buchrezension)

        1. Habe aufgrund deines Beitrags dieses wunderbare Buch in 3 Tagen ausgelesen, ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen.
          Ein wirklich außergewöhnliches Buch, das zum Nachdenken anregt. Ganz toll!! Ich werde das Buch auch in meinem Blog weiterempfehlen. Nochmals zeitlosen Dank! 🙂

          Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s