Kino mit Glucke

Am Wochenende war ich mit Big J. zum ersten Mal im Kino. Wir hatten ein kleineres Kino für den ersten Besuch gewählt und der Saal mit seinen 80 Plätzen war nur zu einem Drittel besetzt. Da saßen wir mit unserem Popcorn umringt von anderen Müttern und Vätern und ihren Kindern und Big J. starrte fasziniert auf die Leinwand, die anfänglich nur Werbung zeigte. Zu Hause würde er später seinem Papa erzählen, er hätte zwei Filme gesehen: die Werbung und den Hauptfilm. Vor drei Jahren haben wir das Kabelfernsehen abgeschafft und unsere Kinder leben medial von einem öffentlich rechtlichen Kinderfernsehsender und ein paar DVDs, also praktisch werbefrei. So wurde die Werbung im Kino vom Großen erst einmal mit Staunen aufgenommen, während die Mama entweder die Augen verdrehte oder recht verhalten den Spot eines großen Discounters belächelt, der griechische Götter in ausgeflippte Konsumjunkies verwandelt, die Boxershorts tragend und mit Sperren bewaffnet ihre proppenvollen Plastiktüten hysterisch kreischend in die Kamera strecken, nachdem sie ihre Zunge herausfordernd lasziv unter einen Weinspender gestreckt haben als wäre er der Quell allen Lebens. Wie soll man das seinem Kind erklären, wenn es einen dazu befragt?

kino

Big J. fragte mich nicht, aber ich murmelte vorsichtshalber ein „Das ist absoluter Quatsch. Das ist nur Werbung“ in seine Richtung. Natürlich ist es nicht nur Werbung. Ich weiß nicht, wie viel von dem, was uns da gerade ins Gesicht geklatscht wird, abspeichert wird. Oder wie viel von dieser skurril zusammengeschusterten Welt auf jener Riesenleinwand, vor der mein fast Fünfjähriger gerade sein Popcorn mampft, von ihm als anzustrebender Realitätsbestandteil empfunden wird. Ich weiß nur, dass es mich ziemlich nervt. Vorher habe ich mir nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht. Und um eins vorweg zu nehmen, ja, ich bin auch ein Konsument und zielgerichtet konsumiere ich auch gern. Aber bitte, bitte zeigt doch vor einem FSK 0-Film altersgerechte Werbung. Wäre ich am Wochenende mit einer Freundin im Kino gewesen und wir hätten diese Spots gesehen, wären sie überhaupt nicht erwähnenswert gewesen. Aber als ich als Mutter gemeinsam mit meinem Sohn im Kino saß, verschob sich mein Blickwinkel. Es war definitiv der Gluckenanteil in mir, der seine Flügel über dem Küken ausbreiten wollte.

Jedenfalls war ich froh, als der Film endlich begann. Übrigens haben wir uns „Feuerwehrmann Sam“ angesehen: eine Kleinstadtwelt, in der wahrscheinlich nur 25 Menschen leben, von denen ein Drittel bei der Feuerwehr arbeitet. Der recht idyllische Ort Pontypandy, der zwischen grünen Hügeln und einem sanft wogendem blauen Meer liegt, besitzt neben einer bestens ausgerüsteten Feuerwehrstation, ein Bergrettungszentrum samt Helikopter sowie eine Küstenwacht inklusive diverser Rettungsboote. Wer hier um Hilfe ruft, wird gehört und wer gerettet werden muss, wird gerettet. Utopie hin oder her, der Gluckenanteil in mir ist ziemlich zufrieden mit diesem heilen Weltspektakel.

Kommt gut in die neue Woche!

 

6 Gedanken zu “Kino mit Glucke

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