Umweg nach Hause von Jonathan Evison (Buchrezension)

Das Leben von Ben Benjamin ist ein Trümmerhaufen. Durch eine Tragödie hat er das Wichtigste auf der Welt verloren. Er ist depressiv und leidet unter Schuldgefühlen. Seine Frau drängt ihn zur Scheidung und seine finanziellen Mittel sind erschöpft. Aus der Not heraus nimmt er einen schlecht bezahlten Job als Pfleger eines im Rollstuhl sitzenden Jugendlichen an. Trevor leidet unter Muskelschwund, schaut am liebsten den Wetterbericht im Fernsehen und steht total auf Mädchen. Die beiden freunden sich an und als Trevs Vater Bob einen Unfall hat, fahren sie quer durch den westlichen Teil der USA, um ihn zu besuchen. Eine Reise beginnt, die Bens Wunden zwar nicht heilen wird, aber ihn vom Abgrund wegzuführen vermag, an dessen Rand er seit seinem privaten Unglück balanciert.

Jonathan Evison erzählt in Rückblenden von Bens Vergangenheit und schiebt die Episoden seines Lebens als Familienvater zwischen die Erlebnisse von Trevor und Ben und deren sich langsam entwickelnder tiefer Freundschaft. Trevor mit seiner unheilbaren Krankheit und Ben, der in Schuldgefühlen versinkt, sind zwei Verlorene, die einander Halt geben. Der Roadtrip bringt ihnen Abstand zu ihrem bisherigen Leben, ein Szenenwechsel, den sie dringend brauchen.

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Ich muss gestehen, dass mir Bens Vergangenheit, wie ein trauriger Klumpen im Magen lag. Der Roman hat etwas zutiefst bedrückendes. Beim Lesen konnte ich jene abgrundtiefe Verzweiflung, die Jonathan Evison seinem Protagonisten Ben wie einen Mantel überziehen will, allerdings nicht immer spüren. Der Autor schreibt grandios, doch mir fehlte ab und an jene stark ausgeprägte Empathie, sich ganz tief in den dunklen Abgrund einer Seele einzufühlen, die diesen herben Verlust ertragen muss. Ich sehe dies nicht als kritisch, denn ich vermute, dies war auch die Absicht von Evison, nicht zu sehr hinabzugleiten und sich in der Tragödie zu verlieren, da es dem anschließenden Roadtrip von Trevor und Ben doch die Leichtigkeit und auch die Freude dieses Abenteuers genommen hätte. Und so wirkt die Geschichte letztendlich auch nach: ein hoffnungsvolles Kreisen um einen Kern aus Melancholie.

 

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