Weil wir Flügel haben – Vanessa Diffenbaugh (Buchrezension)

Vanessa Diffenbaugh erzählt in ihrem Roman „Weil wir Flügel haben“ die Geschichte der dreiunddreißigjährigen Letty und ihren beiden Kindern, der sechsjährigen Tochter Luna und des halbwüchsigen Sohnes Alex. Letty hat so wenig Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten als Mutter, dass sie die Verantwortung für ihre Kinder auf die eigene Mutter überträgt. Als diese nach fünfzehn Jahren von einem Tag auf den anderen die kleine Familie aufgibt und zurück nach Mexiko geht, bricht für Letty die Welt zusammen. Plötzlich muss sie ganz allein für sich selbst und ihre Kinder einstehen.

Letty erscheint anfänglich völlig überfordert. Sie ist geradezu panisch, als es nun an ihr ist, endlich die Mutterrolle auszufüllen. Jahrelang hatte Maria Elena, Lettys Mutter, die Zügel in der Hand gehabt. Es gab nie die Möglichkeit, Verantwortungsbewusstsein zu lernen. Maria Elena ist eine Frau, die sich selbst immer einen Stall voller Kinder wünschte. Nur zu gern „adoptierte“ sie die Kinder der einzigen Tochter. Maria Elenas grenzenlose Fürsorge und ihr Eigensinn hinderten Letty daran, erwachsen zu werden. Erst der Abstand zur Mutter, machen Letty nicht länger bedürftig.

Das Fortgehen der Großmutter ist für die Enkel Luna und Alex ebenso ein Sprung ins kalte Wasser, aber es ist die einzige Chance endlich zu Letty eine tiefe Beziehung aufzubauen und sich dem Leben zu stellen, ohne erdrückt zu werden.

Die Thematik der Zugvögel zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, angefangen bei Lettys Vater, einem Künstler, der Mosaik-Bilder aus den Federn der Vögeln fertigt, bis zu Alex, der die Auswirkungen des Klimawandels am Wanderverhalten des Allenkolibris erforschen möchte. Aber am Ende scheinen uns die Zugvögel vor allem eines lehren zu wollen: da wo du bist, ist dein Zuhause.

flugelvd

Das Buch macht Mut, Ängste zu überwinden und sich ins Leben zu stürzen. Es macht Mut, die Schwingen auszubreiten und sich voller Leichtigkeit in die Lüfte zu erheben. Der Wind wird uns schon tragen. Ich habe „Weil wir Flügel haben“ sehr gern gelesen, vor allem die Mutter-Tochter-Geschichte und die Befreiung Lettys aus dem „Regelwerk der Mutter“ haben mich sehr fasziniert, aber auch das Erwachsenwerden von Alex verbunden mit all seinen Träumen und Enttäuschungen ging mir nahe.

Ich danke dem Limes Verlag ganz herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

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