Das Versprechen der Wüste – Katherine Webb (Buchrezension)

In ihrem neuen Roman entführt uns Katherine Webb von England nach Arabien. Sie erzählt eine Geschichte von unerfüllter Liebe und lebenslanger Sehnsucht und lässt in einem Oman vergangener Zeiten zwei Abenteurerinnen aufeinandertreffen, die alles riskieren, um ihre Träume zu verwirklichen.

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1958 unternimmt die angehende Archäologin Joan mit ihrem Verlobten eine Reise in den Oman, um dort ihr Idol, die Entdeckerin Maude Vickery zu treffen, welche sie seit Kindertagen verehrt. Das erste Kennenlernen verläuft für Joan desaströs und sie ist zutiefst enttäuscht, in der inzwischen betagten und auf den Rollstuhl angewiesenen Dame keine verwandte Seele zu finden, sondern auf eine verbitterte alte Frau zu stoßen, die sie mit übellauniger Direktheit beleidigt. Der Konversation der Beiden fehlen nicht nur die englischen Manieren, auch glaubt man, Maude würde jeglichen Versuch, einander vertraut zu werden, rigoros unterbinden. Doch in dieser Geschichte ist niemand das, was er zu sein scheint.

Es gibt etwas, das die Frauen bald verbindet, ein Geheimnis, das sie teilen. Die Angst vor dem Korsett eines biederen Lebens, der Wunsch nach Anerkennung und die Lust auf ein Abenteuer machen die gutgläubige Joan zu Maudes Schachfigur, in einem Spiel, in dem es bald um mehr geht, als die Entdeckung unbekannter Welten.

Katherine Webb hat ein meisterliches Gespür für menschliche Abgründe und Sehnsüchte. Nachdem ich bereits vier Romane von ihr gelesen habe, die mich alle beeindruckten, schafft sie es auch dieses Mal, mich mitzureißen.

Die Geschichte wird abwechselnd von Joan und Maude erzählt, bis sich die Handlungsstränge am Ende vereinen. Ich habe für beide Frauen Sympathie verspürt. Maude bewunderte ich für ihren Mut, als erste Frau die Rub al-Chali, die größte Sandwüste der Erde zu durchqueren und ich hatte auch viel Mitleid für die Tragik ihres Lebens. Joan wirkte zunächst unsicher, wandelte sich aber im Lauf der Geschichte zu einer Frau, die nach den Sternen greift.

Interessant empfand ich auch einige psychologische Aspekte. Joan wird von ihrer Mutter für ein ängstliches Nervenbündel gehalten. Irgendwann kommt jedoch zu Tage, dass es die Mutter war, die ihre eigene Angst ständig auf ihr Kind übertrug. Als Joan dies endlich erkennt, kann sie sich von dieser Angst befreien.

Ich hatte Angst“, sagte Joan. „Ich habe Angst.“

„Das hat man Ihnen nur beigebracht. Sie haben gelernt zu denken, Sie müssten Angst haben.“

Katherine Webb erzählte auch sehr berührend von der tiefen Begegnung mit der Wüste. Manch einer wandert auf Pilgerpfaden, um der Erleuchtung ein Stück näher zu kommen. Andere gehen in die Wüste, die trotz aller Stille, aller weiten Schönheit, tödlich und unbeugsam ist. Die Wüste macht den Kopf leer, fegt alle Gedanken fort, nur der Wille bleibt, einen Fuß vor den anderen zu setzen, um zu überleben. Und wenn einem dies gelingt, wird nichts sein wie zuvor.

Das Versprechen der Wüste erinnerte mich, und ich denke, dies war ganz bestimmt die Absicht der Autorin, an ein Märchen aus Tausendundeine Nacht. Es ist ein Buch voller sinnenfreudige Abenteuerlust.

Kommt gut in die Woche!

 

4 Gedanken zu “Das Versprechen der Wüste – Katherine Webb (Buchrezension)

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